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Abschied nehmen – Einen geliebten Menschen gehen lassen

Maria Steinwender

Verfasst von Maria Steinwender

4. November 2021Lesezeit: 7 Minuten

Maria Steinwender

Sich von einem Verstorbenen zu verabschieden bedeutet, einen lieben Menschen aus dem Leben zu verabschieden und dessen Tod zu akzeptieren. Dieser schmerzhafte Prozess ist ein wichtiger Teil des Trauerprozesses und hilft dennoch dabei, Trauer zu bewältigen.

Abschied nehmen – Begriffserklärung

Abschied nehmen ist zeitintensiv und braucht Ruhe

Der Todesfall eines Familienangehörigen versetzt Hinterbliebene oft in einen Schockzustand. Tiefe Trauer legt sich über die Angehörigen und macht es ihnen schwer, den Tod und den Verlust eines geliebten Menschen zu verkraften. Sie schaffen es nicht, sich zu verabschieden.

Da in unserer Gesellschaft die Themen Tod und Sterben so gut wie nie thematisiert werden, zumindest nicht als aktiv greifbarer Einzelfall, sind viele Menschen heutzutage nicht auf die Trauer und die damit einhergehenden Ängste vorbereitet, wenn ein ihnen nahestehender Mensch verstirbt.

Dennoch ist es unausweichlich: Jeder oder jede von uns wird im Laufe seines oder ihres Lebens mit dem Verlust einer bzw. eines nahen Angehörigen oder eines anderen lieben Menschen konfrontiert.

Viele können sich der Trauer erst nach einem Begräbnis widmen - zuvor ist durch den organisatorischen Stress, der mit einer Bestattung einhergeht, keine Zeit für Trauerarbeit.

trauer friedhof

Wie lange trauert man?

Dabei ist es schwer zu sagen, wie lange man trauert. Der Abschieds- und Trauerprozess ist sehr schmerzhaft und kann sich über mehrere Monate, oft auch über Jahre erstrecken. Dies ist immer individuell unterschiedlich und hängt davon ab, ob man sich die Zeit dafür nimmt und mit seinen Gefühlen auseinandersetzt. Die Trauerarbeit verläuft in Phasen, in denen man einerseits gut mit der Situation zurechtkommt, andererseits immer wieder und ohne Vorwarnung von den Gefühlen der Trauer übermannt wird. In der Trauerphase ist es unerlässlich, die Gefühlswelt zu verarbeiten, die Trauer zu bewältigen und danach wieder zu neuem Lebensmut zu finden.

Umgang mit dem Abschied

Was hilft beim Abschied nehmen?

Trauer zu verarbeiten ist in den ersten Phase der Trauer besonders schwierig. Nach der Schweizer Psychologin Verena Kast wird diese die Phase des Nicht-Wahrhaben-Wollens genannt. Jetzt ist es besonders wichtig, dass Angehörige Rückhalt und Unterstützung, in welcher Form auch immer, erfahren. Gemeinsame Gespräche geben das Gefühl, nicht alleine zu sein und Menschen an seiner Seite zu wissen, die den durch den Verlust entstandenen Schmerz verstehen und teilen.

Um die Verarbeitung der Trauer zu unterstützen, können Sie verschiedene Hilfestellungen in Anspruch nehmen, die Ihren individuellen Bedürfnissen angepasst werden.

Angehörige können zwar durchaus einander helfen, ebenso Freunde und Bekannte - wenn man jedoch selbst dazu nicht in der Lage ist oder die Ressourcen dafür nicht aufbringen kann: Professionelle Trauerbegleiter können ebenso bei der Trauerbewältigung und beim Abschied nehmen helfen.

Setzen Sie sich nicht unter Druck - Gefühle sind nicht linear und kommen in Wellen. Doch ebenso gilt: Kein Gefühl ist endgültig.

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Heute schon an morgen denken und vorsorgen!

Phasen der Trauerarbeit

Nach einem Todesfall unterscheidet man nach Prof. Dr. phil. Verena Kast vier Phasen der Trauer. Diese Phasen dauern individuell unterschiedlich lange. Wenn Sie bei sich oder anderen einen Überhang in einer der jeweiligen Phasen bemerken und aus dieser nicht herauskommen, sollten Sie professionelle Hilfe heranziehen.

Die 4 Phasen der Trauer (nach Verena Kast)

  1. Die erste Phase ist das Leugnen, in welcher die Betroffenen sich direkt nach dem Todesfall in einem emotionalen Betäubungszustand oder in ungesteuerten Aktivitäten wiederfinden. Man ist empfindungslos und verdrängt den Tod der bzw. des Verstorbenen. Für gewöhnlich ist die Phase des Leugnens sehr kurz und dauert höchstens wenige Tage.

  2. In der zweiten Phase, den intensiv aufbrechenden Emotionen, kommen alle zuvor zurückgehaltenen Emotionen ans Tageslicht. Wut, Hass, Angst, Verzweiflung und Sehnsucht - starke Gefühle sind normal. Man fühlt sich selbst schuldig oder sucht einen Schuldigen am Tod des geliebten Menschen.

  3. Das Suchen, Finden, Loslassen ist die dritte Phase, in welcher man vertraute Momente und gemeinsame Situationen erneut durchlebt. Dies kann auch eine Zeit der Zurückgezogenheit sein. Schlaflosigkeit und permanente Müdigkeit sind normal. Im Idealfall hat man sich mit seinem Verlust abgefunden.

  4. Die letzte Phase der Trauer ist die der Akzeptanz und des Neuanfangs. Man hat innerlich Abschied von der geliebten Person genommen und es fällt leichter, mit dem Verlust umzugehen. Wichtig: Dies ist kein Prozess des Vergessens, lediglich ein Prozess des Abschließens. Man erinnert sich gerne, wenn auch mit Wehmut, an die verstorbene, geliebte Person.

Auf die individuellen Wünsche der Trauernden sollte unbedingt eingegangen werden. Es lohnt sich auch, zu achten, in welcher Phase er oder sie sich befindet.

Drängen Sie dem- oder derjenigen jedoch keine Hilfe auf, diese muss von der bzw. dem Trauernden von sich aus in Anspruch genommen werden. Signalisieren Sie jedoch gerne, bereit zu sein, falls Sie in der Trauer unterstützend wirken können.

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Wie können Angehörige Abschied nehmen?

Der Abschied von Verstorbenen ist keine leichte Aufgabe. Bei der Abschiednahme handelt es sich um einen Prozess, in dem sich Hinterblieben sowohl mit dem Leben als auch dem Tod eines Verstorbenen bewusst auseinandersetzen. Trauernde erinnern sich an schöne Momente mit dem Verstorbenen, werden sich aber auch dessen Tod bewusst.

Beides gehört zum Trauerprozess und der Trauerbewältigung, die dazu führen, dass Hinterbliebene den Tod eines geliebten Menschen akzeptieren.

Ein wichtiger Teil der bewussten Auseinandersetzung mit dem Tod des Verstorbenen ist die Teilnahme an der Trauerfeier und Beerdigung. Dies macht Trauernden bewusst, dass der Verstorbene aus dem Leben geschieden ist.

Gleichzeitig bieten die Trauerfeier und die Bestattung des bzw. der Verstorbenen einen Rahmen, in welchem man mit der Trauergemeinde vom Verstorbenen würdevoll Abschied nehmen und ihm bzw. ihr gedenken kann.

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Wer kann mich beim Abschied nehmen unterstützen?

Falls sie nicht unbedingt mit Freunden und Angehörigen über Ihre Trauer sprechen wollen oder die Trauer Sie aus dem Bauchgefühl heraus etwas zu lange lähmt, finden Sie in jedem Bundesland Trauerselbsthilfegruppen oder Trauercafés. Diese werden meist von gemeinnützigen Organisationen wie der Caritas oder dem Roten Kreuz betrieben.

Sie haben die Möglichkeit, Ihre Geschichte zu erzählen und anderen Trauernden zuzuhören, um sich gegenseitig zu unterstützen.

Es ist wichtig, zu spüren, dass man in seiner Trauer nicht allein ist.

Wenn die Trauer auch nach Monaten immer noch so groß ist, dass es für Sie schwer ist, in einen geregelten Alltag zurück zu kehren, sollten Sie sich nicht scheuen, professionelle Unterstützung holen.

Trauerbegleiter und Trauerpsychologen sind in einer solchen Situation gute Ansprechpartner. Diese haben durch ihre Ausbildung gelernt, in welcher Phase der Trauer Sie sich momentan befinden und können durch verschiedene Methoden helfen.

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Wie kann man besser Abschied nehmen?

Teilen Sie Ihre Erfahrungen und gemeinsamen Erlebnisse, die zu Lebzeiten mit dem geliebten Menschen gemacht wurden, mit engen Vertrauten, also Verwandten oder guten Freunden. Emotionen wirken befreiend - halten Sie daher nichts zurück.

Es wäre noch so viel zu sagen gewesen, oder gemeinsame Erinnerungen zu teilen - Briefe an den oder die Verstorbene können hilfreich sein:

Sprechen Sie den geliebten Verstorbenen direkt an, sprechen Sie unausgesprochene Dinge aus, ebenso wie Ihre Gefühle nach dem Todesfall oder wie Sie diesen erlebt haben. Teilen Sie mit, wie Sie in Zukunft dem lieben Menschen gedenken werden und welche Wünsche und Lebensziele Sie haben.

Oft genügt es auch, die Erinnerungen generell für sich aufzuschreiben.

Oft vergisst man in dieser schweren Zeit auf das körperliche Wohl. Lenken Sie sich ein bisschen ab, achten Sie auf Ernährung und trinken, entspannen Sie sich.

Abschied und Erinnern

"Ich will Abschied nehmen, dabei aber den Verstorbenen nicht vergessen."

Das Abschied nehmen von einem geliebten Menschen ist ein Prozess, der nicht mit der Trauerfeier oder der Abschiednahme an der Grabstätte abgeschlossen ist. Jeden Tag müssen Sie sich an einen veränderten Alltag anpassen und Abschied von vertrauten und gewohnten, gemeinsamen Abläufen nehmen.

Das Gespräch mit Verwandten oder Freunden kann bei diesem Prozess heilsam sein. Zudem halten Anekdoten und Geschichten über den Verstorbenen oder gemeinsame Erlebnisse die Erinnerungen am Leben. Auch Bilder und Videos des geliebten Menschen können dies bewirken. Nur jemand, der vergessen wird, ist wirklich tot -Erinnerungen lassen die Menschen weiterleben.

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Häufige Fragen zum Abschied nehmen im Trauerfall

Abschied von einem Verstorbenen zu nehmen heißt, dass man den Tod annehmen muss.Es ist eine andere Art des Verabschiedens als die, die wir aus unserem Alltag kennen. Wir nehmen Abschied von einer Person, die verstorben ist und eine Lücke in unserem Leben hinterlässt. Häufig erfolgt die Abschiednahme in Form einer Trauerfeier.

  1. Phase: Nicht-Wahrhaben-WollenIn dieser Phase stehen Angehörige oft unter Schock und wollen den Tod des Verstorbenen nicht wahrhaben. Manchmal wird der Todesfall sogar geleugnet.

  2. Phase: Aufbrechende EmotionenGefühlsausbrüche überkommen Trauernde in dieser Phase der Trauerarbeit. Wut, Schmerz, Zorn aber auch Schuldgefühle gehören können in Hinterbliebenen aufkommen.

  3. Phase: Suchen und Sich-TrennenNach der Phase der Aufbrechenden Emotionen beginnt die Trauerarbeit und die Auseinandersetzung mit dem Tod des Verstorbenen. Oft werden Orte der Erinnerung von Hinterblieben aufgesucht und Zwiegespräche mit dem Verstorbenen werden geführt.

  4. Phase: Neuer Selbst- und WeltbezugIn der abschließenden Phase des Trauerprozesses finden Trauernde ihren inneren Frieden, können Abschied nehmen, fassen neunen Lebensmut und widmen sich neuen Lebensaufgaben. Der Schmerz über den Verlust des Verstorbenen tritt immer mehr in den Hintergrund, doch die Erinnerung an ihn bleibt bestehen.

Dies ist individuell unterschiedlich und hängt davon ab, wie intensiv Sie sich mit dem Verlust auseinandersetzen. Abschied von einem wichtigen Menschen zu nehmen ist eine bewusste Handlung. Sie sollten eine intensive Auseinandersetzung mit dem Leben und dem Tod des Menschen zulassen. Ohne diese Verarbeitung wird es Ihnen kaum möglich sein, den Verlust zu akzeptieren und realisieren.

Der Besuch der Trauerfeier bzw. Beisetzung kann der erste große Schritt sein, Abschied zu nehmen. Sie verdeutlichen, dass ein Todesfall der Abschluss eines Lebens ist.

Der erste Schritt, um Hilfe beim Abschied nehmen zu erhalten, ist, mit Freunden und Angehörigen zu sprechen.

Nahestehende Personen können gute Gesprächspartner sein, die Ihren Schmerz verstehen oder im besten Fall sogar teilen. Das Gefühl, in seinem Schmerz nicht allein zu sein, sondern vom eigenen Umfeld aufgefangen zu werden, wirkt äußerst unterstützend und kann Geborgenheit schenken. Meist genügt diese Unterstützung bei der Trauerarbeit.

Wenn der Schmerz über den Verlust auch noch nach Monaten anhält und die Gefühlslage gleichbleibend schlecht ist, ist es heilsam, auf professionelle Hilfe zurückzugreifen.

Quellen

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