Überblick

Sterben und Tod

Was bedeutet “Tod”?

Nahaufnahme einer Pusteblume und einigen ihrer, vom Wind verwehten Samen vor blauem Himmel

Verliert ein Mensch sämtliche relevanten Lebensfunktionen, spricht man allgemein von Tod, im medizinischen Fachjargon von Exitus. Als Tod bezeichnet man den Zustand eines Organismus nach der Beendigung des LebensSterben bezeichnet dabei den Übergang von Leben zu Tod. Dies ist ein Prozess und ein wirklich genauer Todeszeitpunkt lässt sich dadurch schwierig bestimmen. Meistens wird der Tod durch Versagen des Herzkreislauf- oder des zentralen Nervensystems (Gehirn, Rückenmark) hervorgerufen. Dennoch können auch bei einem Herzstillstand Wiederbelebungsmaßnahmen erfolgreich sein.

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Im Jahr 2014 sind in Österreich knapp 80.000 Menschen verstorben. Davon waren 52% Frauen und 48% Männer. Knapp 90% der Verstorbenen waren über 60 Jahre alt. Die häufigste Todesursache waren Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die bei 42% der Verstorbenen festgestellt wurden. Zu den Herz-Kreislauf-Erkrankungen zählen beispielsweise Herzinfarkt und Schlaganfall. Über 20.000 Menschen, also über ein Viertel, verstarben aufgrund eines Krebsleidens. Nichtsdestotrotz sank die Sterblichkeitsrate in der letzten Dekade insgesamt um ganze 18%.

Umgang mit dem Tod

Wie gehen wir mit dem Tod um?

In der westlichen Zivilisation herrscht eine allgemeine Verdrängung und Tabuisierung des Todes. Der Tod wird zwar nicht per se verdrängt, da er medial häufig genug aufgegriffen wird, sei es in den Fernsehnachrichten, einer Tageszeitung, oder dem Boulevard, alles dreht sich um die Anzahl der Toten bei Katastrophen, Kriegen oder Unfällen. Das Sprechen über einen persönlichen Verlust im Kreise von Verwandten oder Freunden fällt den meisten Menschen hingegen enorm schwer. In unserem Kulturkreis wird “Tod und Sterben” selten öffentlich thematisiert.

Dass die Auseinandersetzung mit Sterben und Tod von uns eher verdrängt als offen angesprochen wird, hängt vor allem damit zusammen, dass der Tod an sich nichts Planbares ist. Man kann ihn weder planen noch kontrollieren, er kann friedlich und sanft, oder auch das genaue Gegenteil, also roh und laut sein.

Dabei ist der Tod ähnlich wie das Leben, denn auch das Leben lässt sich nicht immer kontrollieren und hält eine gewaltige Bandbreite verschiedenster Facetten für uns bereit. Den Tod als Feind anzusehen, der das Leben raubt, ist in unserem Kulturkreis zwar weit verbreitet, jedoch kann man mit diesem Thema auch ganz anders umgehen. Für einige Menschen hat er auch etwas Erlösendes, beispielsweise nach langer Krankheit.

Zudem ist es ratsam den Tod und somit die eigene Sterblichkeit nach dem Erhalt einer tödlichen Diagnose, nicht zu tabuisieren.  Gemeinsam mit den Angehörigen kann dadurch eine vertrautere Atmosphäre entstehen und es ermöglicht der/dem Sterbenden unerledigte Dinge zu klären. Den Tod als Teil unseres Lebens zu akzeptieren wird aber dennoch immer eine Herausforderung bleiben.

Ein sterbender Mensch ist oftmals sehr zurückgezogen, schläft viel und verliert augenscheinlich das Interesse an seiner Umwelt, da sie bedeutungslos wird. Allerdings kommt es durchaus oft vor, dass Menschen, die ihre Zeit gekommen sehen, das Leben noch einmal in vollen Zügen genießen möchten und versuchen umso aktiver und kontaktfreudiger zu sein. Früher wurde vor allem religiöser Beistandgesucht, um möglichst unvorbelastet ein Leben nach dem Tod beginnen zu können.

Wie man mit dem Sterben und Tod umgeht, muss letztendlich jeder für sich selbst entscheiden.

Das Modell der fünf Sterbephasen

Was sind Sterbephasen?

Die amerikanische Ärztin und Sterbeforscherin Elisabeth Kübler-Ross hat Ende der 60er Jahre ein fünf-Phasen-Modell erstellt, das das Sterben, also den Übergang von Leben zu Tod darlegt. Es ist ein Grundmuster, das bei vielen sterbenden Menschen immer wieder beobachtet werden konnte. Dabei können sich die Phasen über Jahre erstrecken, oder innerhalb weniger Minuten vollzogen werden.

1. Phase: Nicht-wahrhaben-Wollen und Isolierung (Denial)

In dieser Phase möchte die/der Betroffene die Diagnose der tödlichen Krankheit nicht wahr haben. Sie/Er glaubt an Verwechslungen und Irrtümer, spricht von unfähigen Ärztinnen und Ärzten und holt aus diesem Grund mehrere Diagnosen ein. Ebenso werden noch Zukunftspläne geschmiedet. Viele Angehörige vermeiden in dieser Phase den möglichen Tod anzusprechen, was später allerdings zu einem noch größeren Schock führen kann.

Die/Der Sterbende sollte vielmehr offen über ihre/seine Krankheit sprechen können und wahrhaftige Antworten von seinen Gesprächspartnerinnen/Gesprächspartnern erhalten, damit die Tragweite der Situation allen begreiflich wird.

2. Phase: Zorn und Ärger (Anger)

In der zweiten Phase folgt Zorn, Wut, Groll und Neid. Dabei stellt sich die/der Betroffene die Frage “Warum gerade ich?” und ist wütend auf Angehörige, Pflegepersonal etc., da sie weiterleben dürfen.

Diese sollten sich jedoch nicht persönlich angesprochen fühlen und nicht aggressiv darauf reagieren, sondern eher versuchen ein offenes Gespräch zu suchen, damit die/der Betroffene sich verstanden fühlt.

3. Phase: Verhandeln (Bargaining)

In der dritten Phase erkennt die/der Betroffene den bevorstehenden Tod an. Es wird mit den Ärzten, dem Pflegepersonal, dem Schicksal und Gott “verhandelt”.

Es wird gebetetVersprechen werden abgegeben und an Therapien teilgenommen, um noch etwas Zeit zu gewinnen. In dieser Phase ist es vor allem wichtig, dass keine falschen Hoffnungen geschürt werden.

4. Phase: Depressive Phase (Depression)

Die Depression ist vor allem durch eine hoffnungslose innere Leere, durch Sinnlosigkeitsgefühle und Lebensüberdruss gekennzeichnet. Die/Der Sterbende trauert um das, was sie/er mit ihrem/seinem Tod verlieren wird, um das, was ihr/ihm wichtig war.

Auch etwaige Versäumnisse werden bereut, was Kummer und Schuldgefühle erwecken kann. Oft wird sich auch mit dem Tod auseinandergesetzt und ein Testament erstellt.

5. Phase: Akzeptanz (Acceptance)

In dieser letzten Phase nimmt die/der Betroffene ihr/sein Schicksal an. Es bestehen noch leichte Hoffnungen nicht sterben zu müssen, allerdings ist diese Phase vor allem von geistiger und körperlicher Erschöpfung geprägt und es wird viel geschlafen. Es beginnt eine Isolation und die Umwelt wird immer uninteressanter. Gleichzeitig entsteht aber auch eine starke Sensibilisierung gegenüber der Umwelt, wodurch das Einfühlungsvermögen der Angehörigen besonders gefragt ist, da die/der Sterbende die Umgebung und den Umgang mit ihr/ihm sehr wohl noch

Dennoch ist anzumerken, dass jeder Mensch auf eine individuelle Weise stirbt und manche Phasen wegfallen, oder auch mehrfach durchlebt werden können. Meistens erlebt die/der Sterbende in allen Phasen Gefühle der Angst, da man sich dem unaufhaltsamen Ende des Lebens nähert und dies nicht mehr selbst kontrollieren kann, aber auch Gefühle der Hoffnung, dass noch ein Wunder geschehen könnte, kommen immer wieder auf.

Sterbebegleitung

Was ist Sterbebegleitung?

Unter Sterbebegleitung versteht man das Begleiten eines Menschen in den letzten Wochen oder Monaten vor ihrem/seinem Tod. Durch Spenden von Trost und viel menschlicher Zuwendung wird versucht, das Sterben so erträglich wie möglich zu gestalten. Es kommt vor allem darauf an, die Bedürfnisse der/des Sterbenden wahr- und ernst zu nehmen.

Schwarz-Weiß-Fotografie zweier sich haltender Hände
Gerade in Zeiten schwerer Krankheit ist es wichtig für einander da zu sein

Sterbebegleitung kann sehr zeitintensiv und kräftezehrend sein. Sie umfasst auch Maßnahmen zur körperlichen Pflege und Behandlungund Unterstützung bei Schmerzen und anderen belastenden Symptomen. Betroffene und Familienmitglieder können bei diversen Einrichtungen Entlastung finden. Die Caritas bietet beispielsweise die Dienste eines mobilen Hospizes an, die im eigenen Zuhause, im Pflegeheim oder im Krankenhaus in Anspruch genommen werden kann. Hilfe erfährt man sowohl durch Beratung und Unterstützung, als auch bei pflegerischen Maßnahmen, bei der häuslichen Versorgung oder bei rechtlichen Fragen.

Tod in anderen Religionen

Wie wird der Tod in anderen Religionen empfunden?

Sterben und Tod werden in jeder Weltreligion unterschiedlich aufgefasst. Bei uns finden Sie eine kurze Übersicht zu den jeweiligen Anschauungen.

Christentum

Im Christentum stellt der Tod das endgültige Ende des Lebens dar. Der Tod besiegelt die Rückkehr des Menschen zu Gott, wo er seine Heimat für die Ewigkeit findet. Allerdings gibt es eine Unterscheidung zwischen Himmel und Hölle. Nur Menschen, die an Jesus glauben kommen in den Himmel, Ungläubige hingegen sind zu Qualen in der Hölle solange verdammt, bis sie von ihren Sünden reingewaschen wurden.

Diese katholische Anschauung wird aber nicht von jeder Strömung des christlichen Glaubens geteilt. Protestanten lehnen diese krude Vorstellung der Reinigung von den Sünden beispielsweise ab.

Buddhismus

Der Buddhismus glaubt an die Wiedergeburt aller Menschen. Hat die/der Sterbende während des Sterbeprozesses positive Gedanken, so wird dies als heilsam empfunden. Aus diesem Grund sollten pflegende Personen versuchen, ermutigende Worte zu finden. Entstehen dennoch negative Gedanken, kehrt die/der Verstorbene als Tier oder anderes Wesen aus dem Jenseits zurück.

Außerdem ist es im Buddhismus wichtig, dass der Leichnam vier Tage lang von niemandem berührt wird, da der Geist noch vier Phasen bis zur Auflösung durchlaufen muss und im Körper so lange noch Energien vorhanden sind.

Judentum

Das Judentum glaubt, ähnlich wie das Christentum, an ein Leben im Jenseits. Aus diesem Grund bereiten sich Sterbende in der Regel mit Gebeten und Sündenbekenntnissen auf den Tod vor.

Dazu gehört auch, jeden Augenblick mit gutem Gewissen und ohne Schande für andere zu leben. Aus Respekt vor den Toten gibt es bis zur Beerdigung eine ständige Totenwache.

Islam

Im Islam ist der Tod mit dem Leben gleichgestellt. Er wird dabei nicht als Ende, sondern als Anfang wahrgenommen. Er ist ebenso eine Befreiung irdischer Aufgaben und ein Wechsel von einer vergänglichen, in eine beständige Welt erfolgt.

Die Seele wird als unsterblich angesehen und je nach den Taten der/des Verstorbenen kommt sie in den Himmel oder die Hölle.

Hinduismus

Im Hinduismus bilden der Tod und das Leben einen Kreislauf, den eine gläubige Hindu/ein gläubiger Hindu mit Karma durchbrechen kann. Das persönliche Karma wird durch gute oder schlechte Taten gesammelt oder auch wieder verloren und bestimmt, als was die/der Verstorbene wiedergeboren wird.

Ziel ist das Verschmelzen des Ewigen mit dem Absoluten, genannt Brahman-Nirwana.

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Quellen:
statistik.at (Todeszahlen in Österreich)
orf.at (Die häufigsten Todesursachen)
wikipedia.org (Artikel zu Elisabeth Kübler-Ross)
wikipedia.org (Artikel zum Thema Tod)
br.de (Sterben in den Weltreligionen – Der Tod ist nicht das Ende)

Siehe auch:
Hospiz – Was ist ein Hospiz und wodurch zeichnet es sich aus?
Trauerratgeber – In unserem Ratgeber finden Sie Hilfestellungen zum Umgang mit Trauer

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