Sterben und Tod

Stefan Atz

Verfasst von

Stefan Atz

15. Juli 2020lesezeit: 8 minuten

Sterben und Tod

Was bedeutet “Tod”?

Verliert ein Mensch sämtliche relevanten Lebensfunktionen, spricht man allgemein vonTod, im medizinischen Fachjargon vonExitus. Als Tod bezeichnet man den Zustand eines Organismus nach derBeendigung des Lebens.

Sterbenbezeichnet dabei denÜbergang von Leben zu Tod. Dies ist ein Prozess und ein wirklich genauerTodeszeitpunktlässt sich dadurch schwierig bestimmen. Meistens wird der Tod durchVersagen des Herzkreislauf- oder des zentralen Nervensystems(Gehirn, Rückenmark) hervorgerufen. Dennoch können auch bei einem HerzstillstandWiederbelebungsmaßnahmenerfolgreich sein.

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Im Jahr 2014 sind in Österreich knapp 80.000 Menschen verstorben. Davon waren 52% Frauen und 48% Männer. Knapp 90% der Verstorbenen waren über 60 Jahre alt.

Die häufigste Todesursache waren Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die bei 42% der Verstorbenen festgestellt wurden. Zu den Herz-Kreislauf-Erkrankungen zählen beispielsweise Herzinfarkt und Schlaganfall. Über 20.000 Menschen, also über ein Viertel, verstarben aufgrund eines Krebsleidens.

Nichtsdestotrotz sank die Sterblichkeitsrate in der letzten Dekade insgesamt um ganze 18%.

Umgang mit dem Tod

Wie gehen wir mit dem Tod um?

In der westlichen Zivilisation herrscht eine allgemeineVerdrängung und Tabuisierung des Todes.

Der Tod wird zwar nicht per se verdrängt, da er medial häufig genug aufgegriffen wird, sei es in den Fernsehnachrichten, einer Tageszeitung, oder dem Boulevard, alles dreht sich um die Anzahl der Toten bei Katastrophen, Kriegen oder Unfällen.

Das Sprechen über einenpersönlichen Verlustim Kreise von Verwandten oder Freunden fällt den meisten Menschen hingegenenormschwer. In unserem Kulturkreis wird “Tod und Sterben” selten öffentlich thematisiert.

Dass die Auseinandersetzung mit Sterben und Tod von uns eherverdrängtals offen angesprochen wird, hängt vor allem damit zusammen, dass der Tod an sich nichtsPlanbaresist.

Man kann ihn weder planen noch kontrollieren, er kann friedlich und sanft, oder auch das genaue Gegenteil, also roh und laut sein. Dabei ist der Tod ähnlich wie das Leben, denn auch das Leben lässt sichnicht immer kontrollierenund hält eine gewaltige Bandbreite verschiedenster Facetten für uns bereit.

Den Tod als Feind anzusehen, der das Leben raubt, ist in unserem Kulturkreis zwar weit verbreitet, jedoch kann man mit diesem Thema auch ganz anders umgehen. Für einige Menschen hat er auch etwas Erlösendes, beispielsweise nach langer Krankheit.

Zudem ist es ratsam, den Tod und somit die eigene Sterblichkeit nach dem Erhalt einer tödlichen Diagnose nicht zutabuisieren. Gemeinsam mit den Angehörigen kann dadurch einevertrautere**Atmosphäreentstehen und es ermöglicht der/dem Sterbenden, unerledigte Dinge zu klären.

Den Tod als Teil unseres Lebens zuakzeptierenwird aber dennoch immer eine Herausforderung bleiben.

Ein sterbender Mensch ist oftmals sehrzurückgezogen, schläft viel und verliert augenscheinlich das Interesse an seiner Umwelt, da siebedeutungsloswird.

Allerdings kommt es durchaus oft vor, dass Menschen, die ihre Zeit gekommen sehen, das Leben noch einmal in vollen Zügen genießen möchten und versuchen, umsoaktiverundkontaktfreudigerzu sein.

Früher wurde vor allemreligiöser**Beistandgesucht, um möglichst unvorbelastet ein Leben nach dem Tod beginnen zu können.

Wie man mit dem Sterben und Tod umgeht muss letztendlich jeder für sich selbst entscheiden.

Das Modell der fünf Sterbephasen

Die amerikanischeÄrztin und Sterbeforscherin Elisabeth Kübler-Rosshat Ende der 60er Jahre einfünf-Phasen-Modellerstellt, das das Sterben, also den Übergang von Leben zu Tod, darlegt.

Es ist einGrundmuster, das bei vielen sterbenden Menschen immer wieder beobachtet werden konnte. Dabei können sich die Phasen über Jahre erstrecken oder innerhalb weniger Minuten vollzogen werden.

1. Phase: Nicht-wahrhaben-Wollen und Isolierung (Denial)

In dieser Phase möchte die/der Betroffene die Diagnose der tödlichen Krankheitnicht wahr haben. Sie/Er glaubt anVerwechslungenundIrrtümer, spricht von unfähigen Ärztinnen und Ärzten und holt aus diesem Grund mehrere Diagnosen ein. Ebenso werden nochZukunftsplänegeschmiedet. Viele Angehörige vermeiden in dieser Phase den möglichen Tod anzusprechen, was später allerdings zu einem noch größeren Schock führen kann.

Die/Der Sterbende sollte vielmehr offen über ihre/seine Krankheit sprechen können und wahrhaftige Antworten von seinen Gesprächspartnerinnen/Gesprächspartnern erhalten, damit die Tragweite der Situation allen begreiflich wird.

2. Phase: Zorn und Ärger (Anger)

In der zweiten Phase folgtZorn, Wut, GrollundNeid.Dabei stellt sich die/der Betroffene die Frage “Warum gerade ich?” und ist wütend auf Angehörige, Pflegepersonal etc., da sie weiterleben dürfen.

Diese sollten sich jedoch nicht persönlich angesprochen fühlen und nicht aggressiv darauf reagieren, sondern eher versuchen, ein offenes Gespräch zu suchen, damit die/der Betroffene sich verstanden fühlt.

3. Phase: Verhandeln (Bargaining)

In der dritten Phaseerkenntdie/der Betroffene den bevorstehenden Tod an. Es wird mit den Ärzten, dem Pflegepersonal, dem Schicksal und Gott “verhandelt”.

Es wirdgebetet,Versprechen werden abgegebenund anTherapienteilgenommen, um noch etwas Zeit zu gewinnen. In dieser Phase ist es vor allem wichtig, dasskeine falschen Hoffnungengeschürt werden.

4. Phase: Depressive Phase (Depression)

DieDepressionist vor allem durch eine hoffnungsloseinnere Leere, durchSinnlosigkeitsgefühleundLebensüberdrussgekennzeichnet. Die/Der Sterbende trauert um das, was sie/er mit ihrem/seinem Tod verlieren wird, um das, was ihr/ihm wichtig war.

Auch etwaigeVersäumnissewerden bereut, wasKummerundSchuldgefühleerwecken kann. Oft wird sich auch mit dem Todauseinandergesetztund einTestamenterstellt.

5. Phase: Akzeptanz (Acceptance)

In dieser letzten Phase nimmt die/der Betroffene ihr/seinSchicksalan. Es bestehen nochleichte Hoffnungen, nicht sterben zu müssen, allerdings ist diese Phase vor allem vongeistigerundkörperlicherErschöpfunggeprägt und es wird viel geschlafen. Es beginnt eineIsolationund die Umwelt wird immer uninteressanter.

Gleichzeitig entsteht aber auch eine starkeSensibilisierunggegenüber der Umwelt, wodurch dasEinfühlungsvermögender Angehörigen besonders gefragt ist, da die/der Sterbende die Umgebung und den Umgang mit ihr/ihm sehr wohl noch vollständig wahrnehmen kann.

Dennoch ist anzumerken, dass jeder Mensch auf eineindividuelleWeise stirbt und manche Phasen wegfallen oder auch mehrfach durchlebt werden können. Meistens erlebt die/der Sterbende in allen Phasen Gefühle der Angst, da man sich dem unaufhaltsamen Ende des Lebens nähert und dies nicht mehr selbst kontrollieren kann, aber auch Gefühle der Hoffnung, dass noch ein Wunder geschehen könnte, kommen immer wieder auf.

Sterbebegleitung

Was ist Sterbebegleitung?

Unter Sterbebegleitung versteht man dasBegleiteneines Menschen in den letzten Wochen oder Monaten vor ihrem/seinem Tod. Durch Spenden vonTrostund viel menschlicherZuwendungwird versucht, das Sterben soerträglichwie möglich zu gestalten. Es kommt vor allem darauf an, die Bedürfnisse der/des Sterbenden wahr- und ernst zu nehmen.

Gerade in Zeiten schwerer Krankheit ist es wichtig für einander da zu sein

Sterbebegleitung kann sehrzeitintensivundkräftezehrendsein. Sie umfasst auch Maßnahmen zurkörperlichenPflegeundBehandlungund Unterstützung bei Schmerzen und anderen belastenden Symptomen. Betroffene und Familienmitglieder können bei diversen Einrichtungen Entlastung finden.

Die Caritas bietet beispielsweise die Dienste einesmobilen Hospizesan, die im eigenen Zuhause, im Pflegeheim oder im Krankenhaus in Anspruch genommen werden kann. Hilfe erfährt man sowohl durch Beratung und Unterstützung, als auch bei pflegerischen Maßnahmen, bei der häuslichen Versorgung oder bei rechtlichen Fragen.

Tod in anderen Religionen

Wie wird der Tod in anderen Religionen empfunden?

Sterben und Tod werden in jeder Weltreligionunterschiedlichaufgefasst. Bei uns finden Sie eine kurze Übersicht zu den jeweiligen Anschauungen.

Christentum

Im Christentum stellt der Tod dasendgültige Ende des Lebensdar. Der Tod besiegelt dieRückkehr des Menschen zu Gott, bei dem er seine Heimat für die Ewigkeit findet. Allerdings gibt es eine Unterscheidung zwischenHimmelundHölle.

Nur Menschen, die an Jesus glauben, kommen in den Himmel, Ungläubige hingegen sind zu Qualen in der Hölle solange verdammt, bis sie von ihren Sünden reingewaschen wurden.

Diese katholische Anschauung wird aber nicht von jeder Strömung des christlichen Glaubens geteilt. Protestanten lehnen diese krude Vorstellung der Reinigung von den Sünden beispielsweise ab.

Buddhismus

Der Buddhismus glaubt an dieWiedergeburt aller Menschen. Hat die/der Sterbende während des SterbeprozessespositiveGedanken, so wird dies alsheilsamempfunden.

Aus diesem Grund sollten pflegende Personen versuchen,ermutigendeWorte zu finden. Entstehen dennochnegativeGedanken, kehrt die/der Verstorbene alsTieroderanderes Wesenaus demJenseitszurück.

Außerdem ist es im Buddhismus wichtig, dass der Leichnam vier Tage lang von niemandem berührt wird, da der Geist noch vier Phasen bis zur Auflösung durchlaufen muss und im Körper so lange noch Energien vorhanden sind.

Judentum

Das Judentum glaubt, ähnlich wie das Christentum, an ein Leben imJenseits. Aus diesem Grund bereiten sich Sterbende in der Regel mitGebetenundSündenbekenntnissenauf den Tod vor.

Dazu gehört auch, jeden Augenblick mitgutemGewissenundohneSchandefür andere zu leben. Aus Respekt vor den Toten gibt es bis zur Beerdigung eine ständige Totenwache.

Islam

Im Islam ist derTod mit dem Leben gleichgestellt. Er wird dabei nicht als Ende, sondern alsAnfangwahrgenommen. Er ist ebenso eineBefreiungirdischer Aufgaben und es erfolgt ein Wechsel von einer vergänglichen in eine beständige Welt.

Die Seele wird alsunsterblichangesehen und je nach den Taten der/des Verstorbenen kommt sie in denHimmeloder dieHölle.

Hinduismus

Im Hinduismus bilden der Tod und das Leben einenKreislauf, den eine gläubige Hindu/ein gläubiger Hindumit Karma durchbrechenkann. Das persönliche Karma wird durchguteoderschlechteTatengesammeltoder auch wiederverlorenund bestimmt, als was die/der Verstorbenewiedergeborenwird.

Ziel ist dasVerschmelzendes Ewigen mit dem Absoluten, genanntBrahman-Nirwana.

Quellen

statistik.at-Todeszahlen in Österreich

orf.at-Die häufigsten Todesursachen

Wikipedia-Artikel zu Elisabeth Kübler-Ross

Wikipedia-Artikel zum Thema Tod

br.de-Sterben in den Weltreligionen – Der Tod ist nicht das Ende

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