Sikh Bestattung in Österreich

Stefan Atz

Verfasst von

Stefan Atz

15. Juli 2020lesezeit: 8 minuten

Was ist der Sikhismus?

Sikhs sind Anhänger einer im 15. Jahrhundert in Nordindien entstandenen religiösen Reformbewegung. Derzeit gibt esca. 20 Millionen Gläubigeweltweit.

Der Sikh Glaube ist der Fünftgrößte nach dem Christentum, dem Islam, dem Buddhismus und dem Hinduismus. Sikhsglauben an nur einen Gottund an dieWiedergeburtvon Menschen und Tieren.

Es gilt derGrundsatz der Toleranzgegenüber anderen Religionen, sowie die Gleichberechtigung aller Menschen und Geschlechter. Morgen- und Abendgebete, sowie eine vegetarische Lebensführung gehören zum Glaubensalltag dazu.

In der indischen Stadt Amritsar steht das Hauptheiligtum der Sikhs, derGoldene Tempel. DieGebetsstätteder Sikhs ist der Gurudwara oderGurdwara. (Tor oder Eingang zu Guru – zu Gott)

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Die Bestattung im Sikhismus

Die Sikhs glauben an die Wiedergeburt, und da die Seele niemals stirbt, gibt es keine Trauer über den Tod. Im Sikhismus wird dieFeuerbestattung bevorzugt. Ist dies nicht möglich, kann der Verstorbene aber auch begraben werden.

Ablauf der Bestattung

  • Der/die Verstorbene wirdvon Familienmitgliedernpersönlichgewaschenund eingekleidet.
  • Die5 Kakaar(Glaubenssymbole), die ein gläubiger Sikh während seines Lebens bei sich getragen hat, solltennicht entferntbzw. dasHaarsolltenicht geschnittenwerden.
  • Die 5 Kakaar:
    • kes: langes, ungeschnittenes Haar. Ein Sikh darf sich niemals die Kopf- und die Barthaare schneiden, um seine Anerkennung und Verbindung zum natürlichen Gesetz zu verdeutlichen.
    • kangha: einen Kamm, der die Haare ansehnlich und zusammen halten soll. Er ist gleichzeitig ein Symbol der Ablehnung des asketischen Lebens
    • kara: einen Eisenarmreif, der den Träger an seine Sterblichkeit und an die Verbundenheit mit dem Kreislauf des Lebens erinnern soll.
    • kirpan: einen Säbel, der das Recht, Waffen zu tragen, symbolisiert und an die moralische Pflicht erinnert, Leben zu schützen.
    • kacchoder kachera: eine über dem Knie endende Hose, die an die Notwendigkeit der sexuellen Beherrschtheit erinnern soll.

  • Beerdigungen von Sikhs können sehr unterschiedlich sein. Manchmal gibt es einen Gottesdienst vor der Feuerbestattung, die Einäscherung, und dann einen weiteren Gottesdienst an der gurdwara. Manchmal gibt es nur eine Einäscherung, bei der einige Gebete gesprochen werden.
  • Die Leiche eines Sikh wird am besteninnerhalb von 24 Stunden verbrannt. Dabei entzündet der jüngste Sohn oder ein anderer naher Verwandter das Feuer oder startet den Prozess mechanisch, falls dies in einem Krematorium möglich ist.
  • Nach der Einäscherung wird derGuru Grant Sahib(die heilige Schrift der Sikhs) innerhalb von 10 Tagen im Haus des Verstorbenen von dem Granthi komplett durchgelesen.
  • Die Asche wird häufig nach Indien überführt.
  • Nach der Einäscherung wird dieAschein der Regelin der Erde vergrabenoderin einem fließenden Gewässer verstreut. Grabsteine sind tabu.
  • Sikhs werden bei der Teilnahme an einer Beerdigung immer ihren Kopf bedecken und es sollte Kleidung in gedämpften Farben getragen werden

Die Bestattung im Hinduismus

Eine hinduistischen Bestattung istimmer eine Feuerbestattung, traditionell findet sie auf einem Platz im Freien statt.

Ausgenommen von einer Feuerbestattung sind Priester, Kinder und Schwangere. Sie werden erdbestattet oder einem heiligen Gewässer übergeben.

Ablauf der Bestattung

  1. Der/die Verstorbene wird zu Hause aufgebahrt. Dierituelle Waschungund Einkleidung erfolgt durchFamilienmitglieder. Teilweise wird der Leichnam in schmucklose Tücher gewickelt.
  2. Noch am Todestagwird der Leichnam in einer Prozession unter Mitnahme des Hausfeuers zu einem Verbrennungsplatz gebracht. Diese Plätze liegen meist an einem Fluss, am besten am Ganges, dem heiligen Fluss Indiens. Dort wird der Leichnam traditionell von den Angehörigen mehrmals um den Holzstoß getragen und dann auf diesem aufgebahrt.
  3. Weder bei der Prozession noch bei der Verbrennung soll geweint werden.
  4. Die Trauernden umkreisen den am Verbrennungsplatz aufgebahrten Leichnam nacheinander. Dabei werden Hymnen gesungen und die Frauen bieten dem Verstorbenen Reis als letzte Mahlzeit an.
  5. Die Angehörigen und spirituelle Lehrer oder Priester führen verschiedene Rituale durch. Diese Zeremonie kann bis zu zwei Tage dauern.
  6. Priester versuchen Einfluss auf die Wiedergeburt des Toten zu nehmen, indem sie ihm Mantras zusprechen.
  7. Bei der Verbrennung (Antyesti) wird der Feuergott Agni angerufen, die Seele des Toten in den Ahnenhimmel zu begleiten.
  8. DasFeuerritual vollführt der älteste Sohnoder ein anderer enger männlicher Verwandter. Dieser umkreist den Holzstoß mehrmals, wobei er den gesegneten Tontopf mit Wasser trägt. Bei jedem Weg um den Holzstoß bohrt ein Angehöriger ein Loch in den Topf, damit das Wasser als Zeichen für das Verlassen des Lebens aus dem Topf fließt. Nach der dritten Umkreisung zerschmettert der Träger den Tontopf am Boden, um damit das Ende des Lebens zu symbolisieren. Dann zündet er mit abgewendetem Gesicht den Holzstoß an und verlässt den Verbrennungsort.
  9. Damit der Geist des Verstorbenen nicht am Körper des Verstorbenen haftenbleibt,muss der Körper vollständig verbranntwerden.Eine besondere Bedeutung kommt dem Aufbrechen des Schädels bei der Verbrennung zu, da dies der Seele ermöglicht, den Körper zu verlassen. Danach ist sie bereit zur Wiedergeburt. In manchen Traditionen ist dies nicht üblich und in Krematorien nicht möglich.
  10. DieAsche und Knochenresteder Toten werden schließlicheinem Flussoder einem anderen fließenden Gewässerübergeben.

Unterschiede zwischen einer Sikh- bzw. hinduistischen Bestattung

Die hinduistische Bestattung unterscheidet sich nur in wenigen Bereichen von der Sikh Bestattung. ImHinduismusist dievollständige Verbrennungdes Körpers sehr wichtig.

Im Gegensatz dazu sollte ein verstorbenerSikh zwar bevorzugtverbrannt werden, ist dies aus irgendeinem Grund nicht möglich, kann der Leichnam jedoch auch in einem Erdgrab begraben werden.

Eine hinduistische Bestattung besteht aus vielen vorgegebenen Ritualen. Bei der Bestattung eines gläubigenSikhsist es wichtig, dass die5 Kakaar(Glaubenssymbole) nicht entfernt bzw. dieHaare nicht geschnittenwerden.

Sikh- und hinduistische Bestattung in Wien und Österreich

Als einer derersten Bestatter ÖsterreichsbietetBenueine spezielle Bestattung an, die soweit in Österreich möglich, dieAnforderungeneiner traditionellenSikh bzw. hinduistischen Bestattung erfüllt.

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Prinzipiell ist es möglich einetraditionelle hinduistische bzw. Sikh Bestattungin Österreich durchzuführen, jedoch mitleichten Einschränkungen.

Traditionell sollte der/die Verstorbene innerhalb von 24 Stunden verbrannt werden. Leider kann es in den Krematorien zulängeren Wartezeitenkommen.

In anderen Teilen der Welt erfolgt die Verbrennung des Leichnams auf einem Scheiterhaufen unter freiem Himmel, in Österreich kann diesnur in einem Krematoriumerfolgen.

Möglicher Ablauf einer Sikh- oder hinduistische Bestattung in Österreich

  • Dierituelle Leichenwaschungkann ineigenen Räumlichkeitenerfolgen.
  • Danach wird der/die Verstorbene ins Krematorium überführt.
  • EinVerabschiedungsritual mit offener Aufbahrungist möglich.
  • DerVerbrennungsprozesskannmechanisch (z.B. durch den Sohn des Verstorbenen)ausgelöst werden.
  • Dabei ist dieEinfahrt des Sarges in den Ofen sichtbar.
  • Ca. drei Tage nach der Kremierung kann die Urne den Angehörigen übergeben werden.
  • BENU unterstützt Sie gerne bei derÜberführung der Urne nach Indien.
  • Es ist aber auch möglich dieUrnez.B. in der Donaubeizusetzen.

Spezielle Fragen

Darf in Österreich die Asche eines/einer Verstorbenen verstreut werden?

Nein,es ist auchstrengstens untersagteineUrneohne Genehmigungzu öffnen. Jedoch können spezielle Urnen in der Donau oder an eigens dafür gewidmeten Naturflächen bestattet werden.

Darf man die Urne nach Indien überführen?

DieÜberführungeiner versiegelten Urne nach Indienist möglich.

Gibt es Einschränkungen durch Corona?

  • Trauerfeiern dürfennur im engsten Familienkreis
  • Es darf zukeinen Menschenansammlungenin den Aufbahrungs- bzw. Leichenhallen kommen.
  • RituelleWaschungensindzu vermeiden.
  • Zwischen den Trauergästen sollte einSicherheitsabstand von mindestens 1, idealerweise 2 Metern eingehalten werden.
  • Es solltekein Körperkontakterfolgen – durch Handgeben oder Umarmungen, die Anteilnahme bekunden bzw. jemanden begrüßen.
  • Beschränkungen im Flugverkehr erschweren auch den Transport von Verstorbenen ins Ausland.

Quellen

Die Presse-Sikhs brauchen keinen Friedhof

Wikipedia-Rituale der Sikhs

Die Welt-Daran glauben Anhänger des Sikhismus

Sikh Forum Deutschland-Über die Sikh Religion

Wikipedia-Sikhismus

religionen-entdecken.de-Bestattung im Hinduismus

zeremonienleiter.eu-Hinduistische Bestattung

Benu Bestattungen-Seebestattung

islamiq.de-Muslimische Bestattungen in Zeiten von Corona

yoga-vidya.de-Waheguru

funeralguide.co.uk-Sikh Bestattungen

businessinsider.de-Corona Ansteckung durch Verstorbenen

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