Überblick

Sternenkinder

Was sind Sternenkinder?

Der Begriff Sternenkind bezeichnet im ursprünglichen Sinn Kinder, die weniger als 500 Gramm wiegen und während, oder kurz nach der Geburt, versterben. Auch die Bezeichnung “Stille Geburt” ist für Sternenkinder weit verbreitet. Allerdings wird der Begriff Sternenkind inzwischen ebenso für Kinder verwendet, die noch im ersten Lebensjahr versterben.

Bild eines beeindruckenden Sternenhimmels über einem Bergpanorama

Der Begriff Sternenkind ist poetisch angehaucht, um die große Bedeutung des noch ungeborenen Lebens für die Eltern hervorzuheben. Dem Begriff liegt die Idee zugrunde, dass die Neugeborenen “den Himmel erreicht haben, noch bevor sie das Licht der Welt erblicken durften.”

Im Gegensatz zu den Begriffen Fehlgeburt oder Totgeburt, die sehr abwertend dem ungeborenen Lebewesen gegenüber klingen, verdeutlicht die Bezeichnung Sternenkind die intensive Bindung der Eltern gegenüber ihrem viel zu früh verstorbenen Kind. Diese gefühlsmäßig starke Bindung spiegelt sich oft in lang anhaltender Trauer der Elternteile wieder, denn es gibt kaum etwas schlimmeres, als sein eigenes Kind zu verlieren.

Abschied und Erinnerung

Was hilft beim Abschied nehmen? Was sind passende Erinnerungen?

Von seinem eigenen Kind an dessen Geburt Abschied zu nehmen, ist mit die schwerste Prüfung die das Leben bereit halten kann. Auch gibt es kein allgemein gültiges Rezept wie man Abschied nimmt und wie man mit den dabei entstehenden Emotionen am besten umgehen kann. Dennoch gibt es einige Hilfestellungen zur Vorbereitung auf eine stille Geburt. Weit verbreitete Bücher sind beispielsweise “Gute Hoffnung, jähes Ende” von Hannah Lothrop, oder von Michaela Nijs “Trauern hat seine Zeit”.

Bei der Geburt, die in der Regel natürlich und nicht mit Kaiserschnitt durchgeführt wird, ist es wichtig, dass Sie Ihren Partner/Ihre Partnerin, Freunde oder Familienangehörige bei sich haben, die Sie begleiten und Ihnen Halt geben können. Zum anderen ist es Eltern von Sternenkindern eine große Hilfe, ihr Neugeborenes nach der Geburt einige Zeit in den Armen zu halten, zu begrüßen und kennenzulernen. Nehmen Sie sich dabei so viel Zeit wie Sie benötigen. Geben Sie Ihrem Kind auch einen Namen, damit es eine Identität bekommt. Dies erleichtert Ihnen den Umgang im Gespräch und in Ihrer Erinnerung. Selbst wenn Sie sich nicht in der Lage sehen Ihr Kind anzusehen, kann es im Nachhinein sehr wichtig sein, ein Erinnerungsstück an Ihr Kind zu haben. Dies können Fotos, oder die bloße Beschreibung des Aussehens durch eine Hebamme oder Krankenschwester sein. Auch ein kleiner Hand-, oder Fußabdruck, oder eine Haarlocke können ein wertvolles Erinnerungsstück sein und die Trauerphase erleichtern.

Falls Sie noch weitere Kinder haben, ist es oftmals ratsam diese ebenfalls miteinzubeziehen. Kleinere Kinder haben meist einen natürlichen Umgang mit dem Tod und möchten trotz allem ihr Geschwisterchen kennenlernen. Es ist ebenso möglich Ihr Kind segnen oder nottaufen zu lassen, sofern Sie dies wünschen. Nehmen Sie alle Möglichkeiten wahr, die Ihnen zur Verfügung stehen, das betreuende Personal wird Sie in dieser schweren Zeit immer unterstützen.

Bestattung und Trauerfeier

Wie laufen die Bestattung und Trauerfeier ab?

Zunächst einmal ist es wichtig zu wissen, dass jedes Kind bestattet werden kann. In allen Bundesländern besteht ein Bestattungsrecht für fehl- und totgeborene Kinder. Für die Eltern ist eine markierte Grabstelle oftmals eine große Hilfe um ihre Trauer zu bewältigen. Auch falls Sie im Moment der größten Trauer lieber von einer Bestattungszeremonie absehen möchten, ist es ratsam sich die Grabstelle zeigen zu lassen, um später einen Ort zu haben, an dem man des verstorbenen Kindes gedenken kann.

In der Regel haben Sie die Möglichkeit Ihr verstorbenes Kind entweder in einem Sammelgrab, in einem Familiengrab, einem Kindergrab zu bestatten zu lassen, oder nach einer Kremation die Urne nach Hause mitzunehmen.

  • Entscheiden Sie sich für ein Sammelgrab haben Sie jedoch nicht immer die Möglichkeit bei der Bestattungszeremonie anwesend zu sein und können womöglich lediglich Blumen und Kerzen an der Grabstätte ablegen.
  • Bei einem Familien- oder Kindergrab hingegen können Sie die Trauerfeier und Verabschiedung nach Ihren Wünschen gestalten. Bei der Trauerfeier können Sie beispielsweise Kinderlieder singen, eine Trauerrede selbst halten, oder, je nach Präferenz, von einem geistlichen oder weltlichen Vertreter halten lassen.
  • Falls Sie eine Kremation durchführen lassen, muss die Urne nicht zwangsweise beerdigt werden, sondern kann auch zu Hauseaufbewahrt werden. Dies ist allerdings nur mit einer speziellen Genehmigung möglich.

Ebenso ist es möglich, dass der Sarg in der Verabschiedungshalle noch einmal geöffnet wird, um Abschied nehmen zu können. Auch den Sarg oder die Urne selbst zu Grabe zu tragen, ist keine Seltenheit, sofern Sie dies wünschen. Besprechen Sie den Ablauf der Trauerzeremonie am besten mit Ihrem Bestatter, der Ihnen sicherlich einige weitere hilfreiche Tipps geben kann.

Hilfeangebote

Welche Hilfeangebote gibt es?

Es gibt eine Vielzahl verschiedener Hilfeangebote, die bereits vor der Geburt und natürlich vor allem nach der Geburt von Ihnen in Anspruch genommen werden können. Unmittelbar nachdem Sie das Krankenhaus verlassen haben, ist eine ambulante Betreuung oftmals essentiell. Dies wird in der Regel von Hebammen übernommen, die Hausbesuche bei Ihnen machen und Sie in dieser schweren Zeit begleiten und einfach auch zuhören. Bei einem totgeborenen Kind, oder bei Eintritt des Todes kurz nach der Geburt, wird eine gewisse Anzahl dieser Hausbesuche vom Sozialversicherungsträger übernommen, bei Fehlgeburten müssen die Kosten leider selbst getragen werden.

Fotografie zweier sich berührender Fingerspitzen

Hebammen können Sie normalerweise über Broschüren, die in jedem Krankenhaus ausliegen, kontaktieren, oder auch unter hebammen.at. Auch werden regelmäßig Gedenk- und Beerdigungsfeiern für Sternenkinder in verschiedenen Pfarrgemeinden und Krankenhäusern angeboten. Informationen zu solchen Gedenkfeiern in Ihrer Nähe finden Sie am besten über eine Suchmaschine.

Eine weitere Möglichkeit mit dem schmerzvollen Verlust umzugehen bieten Trauerseminare und eine Trauerbegleitung. Bei Trauerseminaren geht es darum seine eigene Trauer und Gefühle auszudrücken und in Worte zu fassen, um das verstorbene Kind als positive Erinnerung im Gedächtnis zu behalten. Trauerbegleitungen finden meist in Gruppen, aber auch alleine, mit einer psychologischen Fachkraft, statt und sollen mit Hilfe von beispielsweise Imaginationsreisen, Tanzen, symbolischen Handlungen und Ritualen dazu führen, dass eine lebenshindernde Trauer in eine lebensfördernde Trauer umgewandelt wird. Auf den unten zusammengefassten Webseiten findet man zusätzlich Informationen zu unterschiedlichen Trauer- und Selbsthilfegruppen in den einzelnen Bundesländern:

Sollten sich allerdings selbst nach mehreren Monaten oder auch Jahren noch körperliche oder seelische Probleme zeigen, ist es ratsam auf professionelle Hilfe in Form einer Psychotherapeutin/eines Psychotherapeuten zurückzugreifen. Eine gute Anlaufstelle bietet dabei: psychotherapie.at. Für allgemeine Informationen zu Sternenkindern und der stillen Geburt empfehlen sich die Website des Wiener Programm für Frauengesundheit sowie eine Informationsbroschüre des Bundesministerium für Familien und Jugend.

Gesetzliche Lage in Österreich

Wie ist die gesetzliche Regelung bei Sternenkindern in Österreich?

In Österreich wird grundsätzlich zwischen einer Lebendgeburt, einer Totgeburt, einer Fehlgeburt und einer Curettage unterschieden. Je nach Art der Geburt verändert sich das Recht auf Namensgebung sowie das Recht auf Wochenschutz.

Lebendgeburt

Wird ein Baby lebend geboren, erhält es offiziell einen Vor- als auch einen Nachnamen, der in der Geburtsurkunde festgehalten wird. Es wird außerdem eine Sterbeurkunde erstellt. Bei einer Lebensgeburt haben Mütter ein Anrecht auf acht Wochen Wochenschutz, bestätigt die Ärztin/der Arzt eine Frühgeburt sind es zwölf Wochen.

Totgeburt

Bei einer Totgeburt wird nur ein Vorname vergeben, der auf der Urkunde für die Totgeburt, dem Sterbebuch, eingetragen wird. Es wird aber keine offizielle Geburtsurkunde erstellt. Mütter haben ein Recht auf acht Wochen Wochenschutz, bei einem Kaiserschnitt oder bei Mehrlingen sind es sogar zwölf Wochen.

Fehlgeburt (med. Abortus)

Wiegt ein Baby weniger als 500 Gramm, wird es als Fehlgeburt bezeichnet. Seit 2014 ist es aber möglich auch Sternenkinder unter 500 Gramm Geburtsgewicht offiziell in ein Namensregister eintragen zu lassen. Gesetzlich haben Mütter bei einer Fehlgeburt keinen Anspruch auf Wochenschutz, können sich jedoch umgehend von ihrem Hausarzt krank schreiben lassen.

Curettage

Die Curettage, auch Ausschabung genannt, ist ein operativer Eingriff, bei der die Gebärmutter mit einem Curette-Messer ausgeschabt wird. Sie kommt einer Fehlgeburt gleich. Bei diesem Eingriff erhalten die Eltern keinerlei Dokumente über ihr Kind. Es erfolgt also auch keine offizielle Namensgebung. Auch bei einer Curettage haben Mütter kein Anrecht auf Wochenschutz, können sich jedoch ebenfalls von ihrem Hausarzt krank schreiben lassen.

Sollte Ihr Baby nach der Geburt versterben, haben Sie ein Anrecht auf Familienbeihilfe. In fast allen Bundesländern besteht eine Bestattungspflicht. In Kärnten, Oberösterreich und Tirol besteht für fehlgeborene Kinder ein Bestattungsrecht und für Totgeborene eine Bestattungspflicht. Sollte diese nicht von den Eltern selbst wahrgenommen werden, muss das Krankenhaus die Bestattung übernehmen.

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Quellen:
wikipedia.org (Sternenkind)
familienberatung.gv.at (Stille Geburt)
frauengesundheit-wien.at (Stille Geburt)
hebammen.at (Allgemeine Information)
sternenkind.info (Allgemeine Information)
shg-regenbogen.at (Begriffe)

Siehe auch:
Trauerarbeit – Was ist Trauerarbeit und wie ist sie zu bewältigen?
Kindern den Tod erklären – Kindern trauern oft anders als Erwachsenen – aber wie geht man damit um?

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