Das Parentelen­system: So wird in Österreich vererbt.

Tamara Loesch

Verfasst von

Tamara Loesch

1. Oktober 2020lesezeit: 4 minuten

Das Wichtigste zum österreichischen Erbrecht in Kürze:

Das wichtigste zusammengefasst:

  • Es erben nacheinander sogenannte Linien =Parentelsystem
  • Diese gesetzliche Erbfolge tritt ein, wennkeineletztwillige Verfügung errichtet wird
  • Das Erbrecht ist jener Teil des Rechts, welcher die Übernahme einer Verlassenschaft oder eines Teil einer Verlassenschaft regelt.
  • Bei einer solchen Übernahme handelt sich um Erwerb von Todes wegen.
  • Auf den oder die Erben geht die gesamte vermögensrechtliche Position des Erblassers über.
  • Alle Rechte und Verbindlichkeiten, die nicht mit dem Tod des Erblassers erlöschen, bilden denNachlass( auch Verlassenschaft)
  • Berufungsgründe zum Erbrecht sind einErbvertrag, einTestamentoder dasGesetz.
  • Das Erbrecht entsteht mit dem Tod des Erblassers (demErbanfall).

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Benu hat für Sie Informationen zum Erbrecht zusammengestellt. Der Überblick soll Ihnen helfen, einen ersten Einblick zu bekommen. Da immer die individuellen Umstände zu beachten sind, empfehlen wir Ihnen jedoch auch, eingehende Rechtsberatung einzuholen.

Dafür können wir Ihnen wärmstens unsere Kooperationspartnerin und RechtsanwältinMag. Bettina Gegenbauer LL.M.empfehlen.

Mag. Bettina Gegenbauer, Rechtsanwältin
Piaristengasse 41/10, 1080 Wien

Gesetzliche Erbfolge

Wann tritt die gesetzliche Erbfolge ein?

Die gesetzliche Erbfolge tritt ein, wennkeineletztwillige Verfügung errichtet wird. Es erben nacheinander sogenannte Linien (Parentelsystem), wobei die folgende Linie erst zum Zug kommt, wenn die vorhergehende Linie ausgestorben ist.

Neben den Linien erbt in unterschiedlichen Quoten derEhegatte. Benu empfiehlt die Einholung einer eingehenden Rechtsberatung, sodass im Einzelfall unter Berücksichtigung der konkreten Umstände die gewollten Regelungen getroffen oder die individuellen Ansprüche ermittelt werden können.

Das Parentelsystem

Wer erbt in welcher Reihenfolge?

Erste Linie: Kinder

  • Es bestehtkein UnterschiedzwischenehelichenundunehelichenKindern
  • Der Erbteil teilt sich immernach Köpfenauf: Ist ein Kindvorverstorben, tretendie Kinder dieses vorverstorbenen Kindes(also dieEnkeldes Erblassers) erbrechtlich an dessen Stelle (Repräsentation) – dies gilt für diegesetzliche Erbfolge(nicht für das Testament!).
  • Stirbt ein Kindohneeintrittsberechtigte Nachkommen, fällt den anderen seine Erbportion zu.
  • Neben der ersten Linie erbt derEhegatteein Drittel.

Zweite Linie: Eltern

  • SindkeineErben vorhanden, die vom Erblasser abstammen, erben dieEltern.
  • Ist ein Elternteilvorverstorben, wird seine Hälftezwischen seinen Nachkommen(also denGeschwisterndes Erblassers) aufgeteilt.
  • DerEhegatteerbt neben Eltern und Geschwisternzwei Drittel.

Dritte Linie: Großeltern

  • WennkeinErbe in der ersten und zweiten Parentel vorhanden ist, erben die beidenGroßelternpaare.
  • DerEhegatteerbt danebenzwei Drittel.

Vierte Linie – Urgroßeltern

  • Urgroßelterndes Erblassers.
  • Diese werdenausgeschlossendurchdenEhegatten, dieser erbt sohinalles.
  • DemEhegattensteht nämlich stets das so genannteVorausvermächtniszu und zwar unabhängig von seinen sonstigen erbrechtlichen Ansprüchen (außer bei gültiger Enterbung). Dieses besteht aus dem Recht, in der Ehewohnung weiter zu wohnen und über die zum ehelichen Haushalt gehörenden Sachen, soweit diese zur Fortführung der bisherigen Lebensverhältnisse erforderlich sind, zu verfügen.

Kein vorhandener Erbe

  • Istkein Erbe vorhanden, fällt die Verlassenschaft alsherrenloses GutdemStaat
  • Ist aber einLegatarvorhanden, welcher eigentlich nur einenbestimmten Teilder Erbschaft erhalten sollte, so erhält der Vermächtnisnehmer diegesamte Erbschaft.

Anrechnung

  • Kinder haben sich bei der gesetzlichen Erbfolge bestimmte Zuwendungen unter Lebenden auf ihren Anspruch anrechnen zu lassen. Dies mindert sohin ihre Ansprüche gegen den Nachlass.
  • Die Anrechnung findet aber nur statt, wenn ein Anrechnungsberechtigter sie verlangt. Der Erblasser kann die Anrechnung auch erlassen.
  • Das gesetzliche Vorausvermächtnis ist beim Ehegattennicht anzurechnen.Ansonsten ist alles einzurechnen, was er durchEhepakteoderErbvertragerhält.

Der Erbverzicht

Wann ist ein Erbverzicht rechtswirksam?

Ein potentieller Erbe kann auf sein Erbrecht bereits zu Lebzeiten des Erblassers, also vor Eintritt des Erbanfalls, verzichten.

Ein solcher Verzicht ist nur rechtswirksam, wenn er mittels Vertrages in der vorgeschriebenen Form, nämlich in Form eines Notariatsaktes oder gerichtlichen Protokolls, abgeschlossen wird.

Es handelt sich um den einzig zulässigen Vertrag, mit dem zu Lebzeiten des Erblassers über ein möglicherweise nach dessen Tod zustehendes Erbrecht verfügt werden kann.

Warum sollte man auf ein Erbe verzichten?

Der wirtschaftliche Hintergrund ist insbesondere der, dass der Erbe zu Lebzeiten des Erblassers eine Leistung erhält und nach dem Tode andere zum Zug kommen sollen.

Worauf kann sich der Erbverzicht beziehen?

Der Erbverzicht kann sich nur auf das gesetzliche Erbrecht, nur auf den Pflichtteil oder beides beziehen. Eine nach Abschluss des Erbverzichts vorgenommene Bedenkung, zum Beispiel in einem Testament, bleibt jedoch gültig.

Eine Aufhebung des Erbverzichtes ist möglich, muss aber zwischen den Vertragsparteien wiederum vereinbart werden. Ein einseitiger Widerruf istnichtmöglich.

Benu empfiehlt Ihnen, eingehende Rechtsberatung in einer Rechtsanwaltskanzlei einzuholen. Nur so kann sichergestellt sein, dass Sie für Ihren individuellen Fall entsprechend rechtlich korrekte Auskunft bekommen.

Die letztwillige Verfügung

Prinzipiell unterscheidet man zwischenTestamentundVermächtnis.

Testament

  • Letztwillige Verfügungen, durch die ein oder mehrere Erben eingesetzt wird/werden, heißen Testament.
  • Mit einem solchem Testament verfügt man über seingesamtesVermögen.

Vermächtnis

  • Durch diese Form der letztwilligen Verfügung wird kein Erbe eingesetzt.
  • Stattdessen werden nur einzelne Verfügungen über den Nachlass (Vermächtnis) getroffen (z.B. das Einsetzen eines Vormundes, oder die Vergabe einzelner Objekte aus dem Nachlass).
  • Bis zur Erbrechtsreform 2017 nannte man eine solche Verfügung noch „Kodizill“, das Vermächtnis mit dem man bedacht wurde, hieß „Legat“.

Der Erbvertrag

Was ist der Erbvertrag und wie kommt dieser zustande?

DerErbvertragist ein Vertrag zwischenErblasserund seinemEhegatten, womit der Ehegatteunwiderruflichzur Erbschaft berufen wird. Zwingend ist die Form desNotariatsaktes.

Es gilt eine einseitige Unwiderruflichkeit – nur eine einverständliche Aufhebung ist möglich. Es müssen aber auch die Formvorschriften für letztwillige Verfügungen gewahrt werden.

Enterbung

Bei derEnterbunghandelt es sich um den Entzug des Pflichtteils durch eine gültige letztwillige Verfügung.

Muss für eine Enterbung ein Enterbungsgrund vorliegen?

Ja!Es muss ein gesetzlicher Enterbungsgrund vorliegen, wie zum Beispiel:

  • gerichtlich strafbare Handlung gegen den Erblasser,
  • gröbliche Vernachlässigung der Pflichten zwischen Eltern und Kindern,
  • im Stich lassen des Erblassers im Notstand oder
  • gröbliche Vernachlässigung der Beistandspflicht des Ehegatten.

Der Erbe muss im Bestreitungsfall die Rechtmäßigkeit der Enterbung, also das Vorliegen des Enterbungsgrundes beweisen. Ein Widerruf ist in Form einer nachfolgenden Erbeinsetzung möglich.

Möglich ist auch eine Pflichtteilsminderung auf die Hälfte in Form einer letztwilligen Verfügung, wenn zu keiner Zeit ein Naheverhältnis zwischen dem Erblasser und dem Pflichtteilsberechtigen bestanden hat, wie zwischen Eltern und Kindern üblich.

Benu empfiehlt Ihnen, eingehende Rechtsberatung einzuholen. Nur so kann sichergestellt sein, dass Sie für Ihren individuellen Fall entsprechend rechtlich korrekte Auskunft bekommen.

Kostentragungspflicht bei der Bestattung

Die Hinterbliebenen müssen in der Regel die Kosten der Bestattung zu übernehmen. Im Regelfall sind das in folgender Reihenfolge:

  • Ehegatte/in
  • Kinder
  • Eltern
  • Großeltern

Falls es den Hinterbliebenen aus finanziellen Gründen nicht möglich ist, die Kosten der Bestattung zu tragen, ist es möglich eine Sozialbestattung zu beantragen.

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