Erben, Nachlass und Testament

/ / Erben, Nachlass und Testament
Erben, Nachlass und Testament 2018-08-10T13:03:26+00:00

Überblick

Österreichisches Erbrecht

Was ist das Erbrecht?

Das subjektive Erbrecht ist das Recht, eine Verlassenschaft oder einen Teil hiervon in Besitz zu nehmen. Es handelt sich um Erwerb von Todes wegen. Sollen einer Person einzelne Nachlassstücke zukommen, spricht man von einem Vermächtnis. Auf den oder die Erben geht die gesamte vermögensrechtliche Position des Erblassersüber. Alle Rechte und Verbindlichkeiten, die nicht mit dem Tod des Erblassers erlöschen, bilden den Nachlass, auch Verlassenschaft genannt. Berufungsgründe zum Erbrecht sind ein Erbvertrag, Testament oder das Gesetz. Das Erbrecht entsteht mit dem Tod des Erblassers (dem Erbanfall).

Benu hat für Sie Informationen zum Erbrecht zusammengestellt. Der Überblick soll Ihnen helfen, einen ersten Einblick zu bekommen. Da immer die individuellen Umstände zu beachten sind, empfehlen wir Ihnen jedoch auch, eingehende Rechtsberatung einzuholen. Ihr/e Rechtsanwältin/Rechtsanwalt berät Sie gerne und umfassend.

Gesetzliche Erbfolge und das Parentelensystem

Wann tritt die gesetzliche Erbfolge ein? Was ist das Parentelensystem? Wie kann ich mich umfassend informieren?

Die gesetzliche Erbfolge tritt ein, wenn keine letztwillige Verfügung errichtet wird. Es erben nacheinander so genannte Linien (Parentelensystem), wobei die folgende Linie erst zum Zug kommt, wenn die vorhergehende Linie ausgestorben ist. Neben den Linien erbt in unterschiedlichen Quoten der Ehegatte. Benu empfiehlt die Einholung einer eingehenden Rechtsberatung, sodass im Einzelfall unter Berücksichtigung der konkreten Umstände die gewollten Regelungen getroffen oder die individuellen Ansprüche ermittelt werden können.

Das Parentelensystem

1. Erste Linie

Primär sind die Kinder des Erblassers zur Erbfolge berufen.

Es besteht kein Unterschied zwischen ehelichen und unehelichen Kindern. Der Erbteil teilt sich immer nach Köpfen auf: Ist ein Kind vorverstorben, treten die Kinder dieses vorverstorbenen Kindes (also die Enkel des Erblassers) erbrechtlich an dessen Stelle (Repräsentation) – dies gilt für die gesetzliche Erbfolge (nicht für das Testament!). Stirbt ein Kind ohne eintrittsberechtigte Nachkommen, fällt den anderen seine Erbportion zu. Neben der ersten Linie erbt der Ehegatte ein Drittel.

2. Zweite Linie

Sind keine Erben vorhanden, die vom Erblasser abstammen, erben die Eltern.

Ist ein Elternteil vorverstorben, wird seine Hälfte zwischen seinen Nachkommen (also den Geschwistern des Erblassers) aufgeteilt. Der Ehegatte erbt neben Eltern und Geschwistern zwei Drittel.

3. Dritte Linie

Wenn kein Erbe in der ersten und zweiten Parentel vorhanden ist, erben die beiden Großelternpaare.

Der Ehegatte erbt daneben zwei Drittel.

4. Vierte Linie

Urgroßeltern des Erblassers. Diese werden ausgeschlossen durch den Ehegatten, dieser erbt sohin alles.

Dem Ehegatten steht stets das so genannte Vorausvermächtnis zu und zwar unabhängig von seinen sonstigen erbrechtlichen Ansprüchen (außer gültige Enterbung). Dieses besteht aus dem Recht, in der Ehewohnung weiter zu wohnen und aus den zum ehelichen Haushalt gehörenden Sachen, soweit sie zu dessen Fortführung entsprechend den bisherigen Verhältnissen erforderlich sind.

Kein vorhandener Erbe

Ist kein Erbe vorhanden, fällt die Verlassenschaft als herrenloses Gut dem Staat zu. Ist aber ein Legatar vorhanden, welcher eigentlich nur einen bestimmten Teil der Erbschaft erhalten sollte, so erhält der Vermächtnisnehmer die gesamte Erbschaft.

Anrechnung

Kinder haben sich bei der gesetzlichen Erbfolge bestimmte Zuwendungen unter Lebenden auf ihren Anspruch anrechnen zu lassen. Dies mindert sohin ihre Ansprüche gegen den Nachlass. Die Anrechnung findet aber nur statt, wenn ein Anrechnungsberechtigter sie verlangt. Der Erblasser kann die Anrechnung auch erlassen.

Das gesetzliche Vorausvermächtnis ist beim Ehegatten nicht anzurechnen. Ansonsten ist alles einzurechnen, was er durch Ehepakte oder Erbvertrag erhält.

Der Erbverzicht

Wann ist ein Erbverzicht rechtswirksam? 

Ein potentieller Erbe kann auf sein Erbrecht bereits zu Lebzeiten des Erblassers, also vor Eintritt des Erbanfalls, verzichten. Ein solcher Verzicht ist nur rechtswirksam, wenn er mittels Vertrages in der vorgeschriebenen Form, nämlich in Form eines Notariatsaktes oder gerichtlichen Protokolls, abgeschlossen wird. Es handelt sich um den einzig zulässigen Vertrag, mit dem zu Lebzeiten des Erblassers über ein möglicherweise nach dessen Tod zustehendes Erbrecht verfügt werden kann.

Was ist der wirtschaftliche Hintergrund von Erbverzicht?

Der wirtschaftliche Hintergrund ist insbesondere der, dass der Erbe zu Lebzeiten des Erblassers eine Leistung erhält und nach dem Tode andere zum Zug kommen sollen.

Worauf kann sich der Erbverzicht beziehen?

Der Erbverzicht kann sich nur auf das gesetzliche Erbrecht, nur auf den Pflichtteil oder beides beziehen. Eine nach Abschluss des Erbverzichts vorgenommene Bedenkung, zum Beispiel in einem Testament, bleibt jedoch gültig. Eine Aufhebung des Erbverzichtes ist möglich, muss aber zwischen den Vertragsparteien wiederum vereinbart werden. Ein einseitiger Widerruf ist nicht möglich.

Benu empfiehlt Ihnen, eingehende Rechtsberatung in einer Rechtsanwaltskanzlei einzuholen. Nur so kann sichergestellt sein, dass Sie für Ihren individuellen Fall entsprechend rechtlich korrekte Auskunft bekommen.

Die letztwillige Verfügung

Welche Formen der letztwilligen Verfügung gibt es?

Die letztwillige Verfügung ist eine streng formgebundene Verfügung, mit der eine vom Erblasser gewollte, andere als die gesetzliche, Erbfolge angeordnet wird bzw. eine genaue Zuordnung erfolgt. Man unterscheidet Testamente und Vermächtnisse, wobei Testamente nur gültig sind, wenn sie bestimmte Formvoraussetzungen erfüllen.

Der Erbvertrag

Was ist der Erbvertrag? Wie kommt dieser zustande?

Der Erbvertrag ist ein Vertrag zwischen Erblasser und seinem Ehegatten, womit der Ehegatte unwiderruflich zur Erbschaft berufen wird. Zwingend ist die Form des Notariatsaktes. Es gilt eine einseitige Unwiderruflichkeit – nur eine einverständliche Aufhebung ist möglich. Es müssen aber auch die Formvorschriften für letztwillige Verfügungen gewahrt werden.

Enterbung

Muss für eine Enterbung ein Enterbungsgrund vorliegen?

Bei der Enterbung handelt es sich um den Entzug des Pflichtteils durch eine gültige letztwillige Verfügung. Es muss ein gesetzlicher Enterbungsgrund vorliegen, wie zum Beispiel gerichtlich strafbare Handlung gegen den Erblasser, gröbliche Vernachlässigung der Pflichten zwischen Eltern und Kindern, im Stich lassen des Erblassers im Notstand oder gröbliche Vernachlässigung der Beistandspflicht des Ehegatten.

Der Erbe muss im Bestreitungsfall die Rechtmäßigkeit der Enterbung, also das Vorliegen des Enterbungsgrundes beweisen. Ein Widerruf ist in Form einer nachfolgenden Erbseinsetzung möglich. Möglich ist auch eine Pflichtteilsminderung auf die Hälfte in Form einer letztwilligen Verfügung, wenn zu keiner Zeit ein Naheverhältnis zwischen dem Erblasser und dem Pflichtteilsberechtigen bestanden hat, wie zwischen Eltern und Kindern üblich.

Benu empfiehlt Ihnen, eingehende Rechtsberatung einzuholen. Nur so kann sichergestellt sein, dass Sie für Ihren individuellen Fall entsprechend rechtlich korrekte Auskunft bekommen.


Quelle:
Kanzlei Ehrenhöfer & Häusler Rechtsanwälte GmbH (Persönliche Auskunft)
help.gv.at (Formen der letztwilligen Verfügung)

Siehe auch:
Testament – Alle Informationen zum letzten Willen
Nachlass – Was ist ein Nachlass und was gilt es zu beachten?