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Thanatologie und Thanatopraxie: Dem Tod ins Auge schauen

Maria Steinwender

Verfasst von Maria Steinwender

26. November 2021Lesezeit: 4 Minuten

Maria Steinwender

Nach dem Tod eines Menschen setzen unmittelbar Verwesungsprozesse im Körper ein, die durch Mikroorganismen verursacht werden. Das führt nicht nur dazu, dass der Körper zersetzt wird und sich dessen Aussehen verändert. Hier kommt der Thanatopraxie zum Einsatz: Im Todesfall kann eine thanatologische Versorgung die persönliche Abschiednahme vom Verstorbenen ermöglichen.

Was ist Thanatologie?

Die Thanatologie ist eine Wissenschaft, welche das Sterben, den Tod und die Bestattung erforscht. Hierbei werden die Themen nach soziologischen und psychologischen Aspekten untersucht.

Ein anderes Wort für Thanatologie ist Sterbeforschung.

Im Sprachgebrauch wird Thanatologie oft mit Thanatopraxie gleichgesetzt oder verwechselt. Damit sind aber zwei verschiedene Dinge gemeint: Thanatopraxie wird im Bestattungswesen angewandt, um eine würdevolle Abschiednahme vom Verstorbenen zu ermöglichen.

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Geschichte der Thanatologie

Die Thanatologie entstand im 20. Jahrhundert. Die erste Studie zum Thema Tod wurde durch den Soziologen Robert Hertz im Jahr 1907 publiziert.

Vor allem in den Fünfziger und Sechziger Jahren beschäftigten sich immer mehr Forscher mit den Themen Tod, Trauer und Bestattung. Die Erforschung dieser Themen bildete die Grundlage für die Arbeit mit Trauernden. So konnten Therapieprogramme für Trauernde entwickelt werden, welche einen lieben Angehörigen durch Tod verloren haben.

Vor allem die Sterbeforschung der Psychiaterin Elisabeth Kübler-Ross und ihr Modell der Trauerphasen rückten die Beschäftigung mit Tod und Sterben ins Licht der Öffentlichkeit. Zudem war Kübler-Ross auch eine wichtige Figur für die Hospizbewegung.

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Ziel der Thanatologie

Neben der Trauerarbeit für Angehörige wollen die Forscher vor allem einen gesellschaftlichen Diskurs anregen. Menschen sollen sich mit den Themen Tod, Sterben und Bestattung auseinandersetzen und diese nicht länger tabuisieren.

Praktische Thanatologie

Die praktische Thanatologie wird häufig Thanatopraxie oder Thanatopraxis genannt. Ein Thanatopraktiker führt die hygienische und ästhetische Versorgung eines oder einer Verstorbenen durch. Meist ist dies notwendig, wenn der Verstorbene vor der Beisetzung aufgebahrt wird. So können sich die Angehörigen am offenen Sarg von dem Verstorbenen verabschieden. Häufig nehmen Bestatter die Versorgung vor, welche zusätzlich ausgebildete Thanatologen oder Thanatopraktiker sind.

Aufgaben eines praktischen Thanatologen bzw. Thanatopraktikers

Die hygienische Versorgung stellt nicht die einzige Aufgabe von Thanatologen dar: Wenn der Verstorbene bei einem Unfall oder durch Gewalt gestorben ist, muss der Thanatologe diesen für eine Aufbahrung vorzubereiten, ohne dass Verletzungen sichtbar sind. Dies ist ein wichtiger Teil der Trauerarbeit.

Eine Einbalsamierung ist ebenso notwendig bei einer Überführung ins Ausland. Diese Tätigkeit nennt man „Modern Embalming“ - sie soll den Verwesungsprozess verzögern. Hierbei wird das Blut durch eine konservierende Lösung ersetzt, der die Verwesung hemmt. Ebenso zählt die Anfertigung von Totenmasken zu den Aufgaben eines praktischen Thanatologen.

Abhängig von der Entstellung kann die thanatologische Versorgung sehr anspruchsvoll sein und hohes Können sowie spezielle Wiederherstellungswerkzeuge erfordern. Dabei kommen spezielle Kosmetik, Restaurierung, Rehydrierung oder Rekonstruktion fehlender Körperteile zum Einsatz. So steht einer Überführung oder Aufbahrung sowie einem würdevollen Abschied nichts im Wege.

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Ist eine Einbalsamierung das Gleiche wie eine Mumifizierung?

Bei dem Wort "Einbalsamierung" denkt man sofort an Pharaonen und Gefäße mit duftenden Substanzen und Ölen.Dabei muss man diese klar von einer Mumifizierung abgrenzen. Eine Einbalsamierung hat die Konservierung eines Leichnams über einen kurzen Zeitraum zum Ziel. Bei einer Mumifizierung wird eine dauerhafte Erhaltung des Körpers angestrebt. Bei einer Mumifizierung werden alle Körperorgane entfernt. Im Anschluss kamen verschiedene Füllmaterialien und wohlriechende Kräuter zum Einsatz, um die ursprüngliche Form des Leichnams zu erhalten.

Eine Einbalsamierung hingegen hat das Ziel, den Körper eines Verstorbenen lediglich für einen gewissen Zeitraum zu konservieren, um Zeit zu gewinnen und notwendige Schritte vor der Beerdigung durchführen zu können oder eine Überführung und einen späteren Abschied zu ermöglichen. Durch das Austauschen der Körperflüssigkeiten mit einer Substanz, die den Verwesungsprozess verlangsamt, wird eine eine Konservierung von bis zu sechs Wochen erreicht.

So läuft eine Einbalsamierung bzw. Leichenkonservierung und Rekonstruktion ab

  • Der Körper des bzw. der Verstorbenen wird gereinigt und desinfiziert.
  • Der Thanatopraktiker löst die Leichenstarre, um den Verstorbenen bzw. die Verstorbene für die spätere Bestattung zu positionieren.
  • Die Körperflüssigkeiten werden abgelassen und durch ein Einbalsamierungsfluid ersetzt.
  • Alle Öffnungen des Körpers werden geschlossen.
  • Der Mund des bzw. der Verstorbenen wird durch einen speziellen Klebstoff versiegelt oder mit einer Naht verschlossen.
  • Kunststoffkappen fixieren die Augenlider.
  • Im Falle einer Aufbahrung wird der Leichnam zusätzlich kosmetisch behandelt, um ihn lebendig aussehen zu lassen.

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Wie sinnvoll ist eine Einbalsamierung? Wie sieht die Thanatopraxie in Österreich aus?

Österreich war einer der ersten Staaten in Europa, welcher das Modern Embalming auf rechtlich einwandfreie Grundlagen gestellt hat. Das Bundesgesetzblatt II Nr. 218/2006 regelt die Rechte und Pflichten eines Thanatopraktikers.

In Österreich ist eine Einbalsamierung eher unüblich und nicht notwendig. Die hygienische Grundversorgung reicht aus, um den Leichnam bis zur Beisetzung zu konservieren. Eine Aufbahrung des Leichnams kommt nur in den seltensten Fällen vor. Die Feuerbestattung wird hierzulande immer beliebter - in diesem Fall spielt eine kosmetische Verschönerung des oder der Verstorbenen keine wichtige Rolle. Zudem ist der ökologische Aspekt einer Einbalsamierung zu berücksichtigen - zahlreiche Chemikalien gelangen so in Grund und Boden. Außerdem wird der Verwesungsprozess verlangsamt, was ein Problem mit den Ruhezeiten auf den Friedhöfen darstellen kann.

Unter Thanatopraxie versteht man jene Maßnahmen, welche über die hygienische Versorgung eines Toten hinaus, meist im Vorfeld einer Aufbahrung, notwendig sind. Das sind etwa

  • die Wiederherstellung von Unfallopfern durch Kosmetik, Rekonstruktion und Restaurierung.
  • die vorübergehende Konservierung und Verzögerung der Verwesung durch Einbalsamierung.
  • die Herstellung von Totenmasken.

Angehörige wollen Verstorbene oft noch vor der Beerdigung sehen. Vor allem nach schweren Verkehrsunfällen oder Gewaltverbrechen können die Toten jedoch entstellt sein. Thanatopraktiker, speziell ausgebildete Bestatter, balsamieren die Toten und präparieren sie für einen würdevollen Abschied.

Verstorbene werden, wenn sie regulär bestattet werden, grundsätzlich immer gewaschen. Dies hat hygienische Gründe, aber auch Gründe der Pietät, da man den Verstorbenen bzw. die Verstorbene nicht schmutzig oder unrein in den Sarg legen will.

Der Sterbeprozess ist häufig mit Inkontinenz verbunden. Eine Waschung geschieht also auch aus Ehrfurcht vor der Würde des Verstorbenen.

In manchen Religionen, etwa bei den Muslimen und im Judentum, handelt es sich auch um eine religiöse, kultische Waschung, da auch der tote Mensch eine kultische Unreinheit besitzt. Diese wird durch den rituellen Waschungsvorgang beseitigt.

Um den Angehörigen bei einer offenen Aufbahrung einen Abschied von dem oder der Verstorbenen zu ermöglich. Dies ist vor allem nach schweren Unfällen der Fall, um den Verstorbenen ein pietätvolles, friedliches, natürliches Aussehen zu geben und die Hinterbliebenen nicht zu traumatisieren.

Um einen Leichnam für eine Überführung oder dergleichen zu konservieren, wenden Thanatopraktiker eine Behandlung an, die in den USA und Großbritannien als Modern Embalming bekannt ist. Hierbei wird das Blut durch eine verwesungshemmende Substanz, meist Formalin, ersetzt.

Quellen

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