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Exhumierung - Warum man Tote wieder ausgraben muss

Natascha Kvicsala

Verfasst von Natascha Kvicsala

14. Oktober 2021Lesezeit: 5 Minuten

Natascha Kvicsala

Manchmal ist es notwendig, dass Verstorbene in ein neues Grab verlegt werden. Dazu muss das bestehende Grab geöffnet und der Sarg oder die Urne in das neue Grab verbracht werden. Diesen Vorgang bezeichnet man als Umbettung oder Exhumierung.

Was bedeutet Exhumierung?

Als Exhumierung (auch Exhumation oder Enterdigung genannt) wird die erneute Freilegung eines bereits auf einem Friedhof beerdigten Leichnams aus seinem Grab bezeichnet.

Kosten einer Exhumierung und Umbettung/Grabzusammenlegung in Österreich

Wünschen Angehörige des Verstorbenen eine Umbettung, müssen diese selbst dafür aufkommen. Die anfallenden Kosten für die Ausgrabung variieren von Friedhof zu Friedhof stark. Genaue Gebühren können beim jeweiligen Friedhof erfragt werden.

Bei den Kosten für eine Exhumierung ist zudem zwischen einer Sarg- und Urnenbestattung zu unterscheiden. Die Exhumierung eines Sarges ist aufgrund des Aufwands deutlich teurer als die einer Urne.

Eine tatsächliche Kosteneinschätzung kann von einem Bestatter erstellt werden. Diese ist u.a. abhängig von:

  • Der Bodenbeschaffenheit
  • Der Liegedauer des Verstorbenen
  • Weiteren Auslagen, wie den jeweiligen Friedhofsgebühren bzw. den Honoraren der Totengräber

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Bespielkostendarstellung für eine Exhumierung mit Urnenaufstellung Zuhause

KOSTENPOSITIONPREIS
FH-Gebühren, Exhumierung, Einsargung, Transport und Amtswegeab ca. 1.000 Euro
Kremationssargab ca. 390 Euro
Einäscherungab ca. 600 Euro
Urneab ca. 75 Euro

Zusätzliche Kosten entstehen durch mögliche Verwaltungsgebühren und Ähnliches (z.B. Genehmigung für die Urne Zuhause).

Bei einer erneuten Beisetzung des Verstorbenen im Erdgrab sind die Kosten dementsprechend deutlich höher.

Gründe für die Exhumierung eines Toten

Folgende Gründe liegen meistens für eine Exhumierung vor:

  • Auflösung einer Gruft/eines Grabes ist der häufigste Grund für eine Exhumierung einer Leiche
  • Umbettung eines Verstorbenen in ein neues Grab
  • Grabzusammenlegung
  • Anfertigung eines Vaterschaftstests/Vaterschaftsfeststellung
  • Obduktion

Allerdings sind die gesetzlichen Bestimmungen, aus welchem Grund eine Exhumierung erfolgen darf, von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich:

BUNDESLANDGRÜNDE FÜR EINE EXHUMIERUNG
Burgenland, NÖ, OÖ, Salzburg, Tirol, Wienkeine direkten Vorgaben
KärntenUmbettung, Feuerbestattung, andere wichtige Gründe
SteiermarkUmbettung, Überführung
VorarlbergUmbettung, Feststellung der Todesursache, Beisetzung der Aschenreste in einem Sondergrab, andere wichtige Gründe

Menschliche Überreste in einem alten Grab

Wann kann eine Exhumierung durchgeführt werden und wann nicht?

Grundsätzlich können Exhumierungen aufgrund persönlicher wichtiger Gründe oder einer gerichtlichen Anordnung erfolgen. Eine Exhumierung darf jedoch nicht erfolgen, wenn eine konkrete Gefahr der Übertragung von Krankheiten besteht.

Zunächst gilt es zu klären, wer überhaupt eine Exhumierung beauftragen darf. Dies ist je nach Bundesland unterschiedlich. Die folgende Tabelle gibt darüber Auskunft:

BUNDESLANDBEAUFTRAGUNG DURCH:
Burgenlandnahe Angehörige
KärntenJede/r, der ein Interesse glaubhaft machen kann
OberösterreichJede/r, der ein Interesse glaubhaft machen kann
NiederösterreichBenützungsberechtigte Person des Grabes
SalzburgJede/r, der ein Interesse glaubhaft machen kann
TirolJede/r, der ein Interesse glaubhaft machen kann
SteiermarkJede/r, der ein Interesse glaubhaft machen kann
VorarlbergJede/r, der ein Interesse glaubhaft machen kann
WienJede/r, der ein Interesse glaubhaft machen kann

Berechtigte Personen können nun einen Antrag einreichen. In den meisten Bundesländern kann dies bei Erdgräbern allerdings erst nach Ablauf der Mindestruhezeit von 10 Jahren erfolgen, es gibt jedoch auch abweichende Regelungen:

BUNDESLANDMINDESTRUHEZEIT
Burgenland10 Jahre
KärntenFestgelegt in der Friedhofsordnung
OberösterreichFestgelegt in der Friedhofsordnung
Niederösterreich10 Jahre
SalzburgFestgelegt in der Friedhofsordnung
TirolFestgelegt in der Friedhofsordnung
SteiermarkFestgelegt in der Friedhofsordnung
VorarlbergFestgelegt in der Friedhofsordnung
Wien6 Monate

Diese Anträge müssen je nach Bundesland von unterschiedlichen Stellen bewilligt werden. Wir haben Ihnen auch diese Informationen in einer Tabelle zusammengefasst:

BUNDESLANDBEWILLIGUNG DURCH:
BurgenlandBürgermeisterIn
KärntenBürgermeisterIn
OberösterreichBürgermeisterIn
NiederösterreichGemeinde
SalzburgBezirksverwaltungsbehörde
TirolBezirksverwaltungsbehörde
SteiermarkGemeinde
VorarlbergBürgermeisterIn
WienBezirksverwaltungsbehörde

Ablauf einer Exhumierung und Umbettung bzw. Zusammenlegung in Österreich

Eine Exhumierung läuft wie folgt ab:

  1. Der Antrag für eine Exhumierung wird von derjenigen Person, die die Exhumierung durchführen lassen will, gestellt. (siehe Tabelle oben, wer dazu berechtigt ist und welche Stelle die Bewilligung erteilen kann). Viele Bestatter übernehmen die Antragsstellung auf Wunsch der Angehörigen auch selbst.
  2. Sperrung des Friedhofsbereiches, wo die Exhumierung erfolgen soll.
  3. Durchführung der Exhumierung durch einen Totengräber und einen Bestatter. Ein Amtsarzt muss in den meisten Gemeinden anwesend sein, wenn die Bestattung weniger als 10 Jahre zurückliegt bzw. vermutet wird, dass noch organische Stoffe im Grab zu finden sein werden.
  4. Meistens Kremierung der sterblichen Überreste.
  5. Erneute Bestattung oder Zusammenlegung.

Wissenswert: Exhumierungen werden oftmals aufgrund der möglichen Geruchsentwicklung erst in den Wintermonaten durchgeführt.

daniel-lincoln-ausgraben erde exhumierung-unsplash.jpg

Wie lange dauert die Verwesung im Erdgrab?

Wie stark ein Leichnam bei der Exhumierung bereits verwest ist, kommt darauf an, wie lange er schon ruht und wie die Bodenbeschaffenheit und die Temperatur sind. Normalerweise beginnt schon wenige Tage nach dem Tod die Auflösung von Bindegewebe und Weichgewebe. Über einen Zeitraum von mehreren Monaten kommt es dann zur Entwässerung der Leiche.

Nach etwa einem Jahr beginnt die Zersetzung des verbliebenen Körpergewebes; nach rund 10 bis 20 Jahren sind von dem Leichnam nur noch Knochen vorhanden.

ZEITRAUMFORTSCHRITT DER VERWESUNG
Innerhalb weniger Tage nach TodeseintrittBeginn der Auflösung von Weichgewebe, Hohlorganen und Bindegewebe
Nach bis zu 9 MonatenVerflüssigung des Weichgewebes und Entwässerung der Leiche
Nach 9 Monaten bis zu 2 JahrenKörpereigene Bakterien und Pilze zersetzen nach und nach das verbliebene Körpergewebe
Nach 2-5 JahrenVerwesung von Fingernägeln, Haaren und Sehnen
Nach 10-20 JahrenMeist nur noch Knochen vorhanden
Nach 30 JahrenEventuell noch Schädel- und die Oberschenkelknochen vorhanden

Häufig gestellte Fragen zur Exhumierung

Manchmal muss man Verstorbene in ein neues Grab verlegen. Zu diesem Zweck muss das bestehende Grab geöffnet und der Sarg oder die Urne in das neue Grab verbracht werden. Diesen Vorgang nennt man Umbettung.

Manchmal ist die Ruhezeit für das gewählte Grab noch nicht abgelaufen, der Leichnam muss aber daraus entfernt werden: Das nennt man eine außerplanmäßige Exhumierung. Dies kann der Fall sein, wenn die Kriminalpolizei Zweifel an der zuvor festgestellten Todesursache hegt und der Leichnam noch einmal untersucht werden muss.

In einem Erdgrab löst sich das Körpergewebe innerhalb von ein bis zwei Jahren auf: In dieser Zeit erfolgt die vollständige Skelettierung eines Leichnams. Fingernägel, Haare und Sehnen brauchen etwa vier Jahre, um zu verwesen. Je nach der Bodenbeschaffenheit auf dem Friedhof können Knochen bis zu 20 Jahre oder sogar noch länger brauchen, um sich vollständig zu zersetzen.

Als Wachsleichen bezeichnet man weitgehend erhaltene Körper von Verstorbenen, die aufgrund der Bodenbeschaffenheit auf dem Friedhof nicht verwest sind, sondern teilweise oder komplett mumifiziert wurden.

Wachsleichen entstehen meist in stark lehmhaltigen oder tonhaltigen Böden. Auch ein hoher Grundwasserspiegel oder übermäßige Bewässerung der Gräber fördert die Entstehung von Wachsleichen.

Für gewöhnlich müssen Sie mit Friedhofs-Gebühren für die Exhumierung eines Sarges in Höhe von700-1.000€ rechnen. Dazu kommen meist Kosten für eine Feuerbestattung (Sarg, Überführung, Einäscherung, Urne) in Höhe von 2.000-2.500€.

Quellen

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