Obduktion - Die Todesursache medizinisch feststellen lassen

Alexander Burtscher

Verfasst von Alexander Burtscher

14. Oktober 2021Lesezeit: 5 Minuten

Alexander Burtscher

Unter gewissen Umständen muss an einem Verstorbenen eine Obduktion oder Autopsie vorgenommen werden, um Gewissheit über seine Todesumstände zu bekommen. Wir erklären Ihnen, wann eine Obduktion erforderlich ist, was dabei passiert und was die Kosten für eine Obduktion sind.

Was ist eine Obduktion?

Unter einer Obduktion, auch Autopsie, Sektion oder Leichenöffnung genannt, versteht man eine innere Leichenschau zur Feststellung der Todesursache und zur Rekonstruktion des Sterbevorgangs.

Obduktionen werden zum Großteil von Patholog:innen und Gerichtsmediziner:innen sowie ihren Helfern, den Sektionsassistenten, durchgeführt.

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Wer kommt wann zum Zug? Patholog:innen werden in der Regel bei natürlichen Todesfällen eingesetzt, Gerichtsmediziner:innen werden im Auftrag der Staatsanwaltschaft oder des Gerichts bei Verdacht auf einen unnatürlichen Tod zu Rate gezogen.

Autopsie oder Obduktion: Gibt es Unterschiede?

Zwischen einer Obduktion und einer Autopsie gibt es keinen Unterschied. Tatsächlich werden die Begriffe synonym verwendet.

Grundsätzlich unterscheidet man, je nach Anlass und Auftraggeber, zwischen verschiedenen Arten einer Obduktion:

Klinische Obduktion

Eine klinische oder pathologische Obduktion kann bei natürlichen Todesursachen wie Herzinfarkt, Krebs oder andere Krankheiten erfolgen. Sie wird in aller Regel von einem Pathologen durchgeführt und findet in der Klinik oder in einem Krankenhaus statt. Voraussetzung für die Sektion eines Leichnams ist die Einwilligung des Verstorbenen; falls dies nicht mehr möglich ist, kann auch eine Einwilligung von den Angehörigen eingeholt werden.

Der Zweck einer klinischen Obduktion ist das Feststellen von Todesursache und Vorerkrankungen durch eine innere Leichenschau. Die klinische Sektion dient so auch einer Qualitätssicherung in der Medizin.

Die klinische Obduktion kann vom behandelnden Arzt, aber auch von den Angehörigen des Verstorbenen in Auftrag gegeben werden – etwa, um Behandlungsfehler oder Fremdverschulden zu erkennen bzw. auszuschließen.

Eine klinische Obduktion kann aber auch angeordnet werden, um Versicherungsfragen zu klären – etwa, ob eine Berufserkrankung zum Tod geführt hat oder ob bestimmte Vorerkrankungen verschwiegen wurden.Zudem dient die klinische Obduktion auch der Fort- und Weiterbildung von Ärzten und anderem medizinischem Personal in Kliniken und Krankenhäusern.

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(Gesundheits-)Behördlich angeordnete Obduktion

Eine behördlich angeordnete Obduktion wird von der zuständigen Gesundheitsbehörde in Auftrag gegeben, falls der Todesfall außerhalb von Krankenanstalten eintritt und die Todesursache bislang unklar ist, beispielsweise bei einem plötzlichen Herzstillstand.

Eine behördliche Obduktion wird entweder von einer Pathologin/einem Pathologen oder von einer Gerichtsmedizinerin/einem Gerichtsmediziner durchgeführt.

Gerichtliche Obduktion

Eine gerichtliche Obduktion wird von der Staatsanwaltschaft im Zuge eines Gerichtsprozesses angeordnet und von einer Gerichtsmedizinerin bzw. einem Gerichtsmediziner durchgeführt.

Das Ziel ist, die Todesursache festzustellen und zu erkennen, ob dabei ein Fremdverschulden vorliegt, wie zum Beispiel bei einem Mordfall.

Privatobduktion

Eine Privatobduktion wird immer von Angehörigen bzw. den Rechtsnachfolgern angeordnet und kann laut österreichischem Bestattungsgesetz von jeder fachärztlichen Kraft durchgeführt werden, sofern die Obduktion bei der zuständigen Gesundheitsbehörde angemeldet wurde.

Das Ziel ist ebenfalls die Feststellung der Todesursache, um beispielsweise noch offene versicherungsrechtliche Fragen klären zu können.

Lehrobduktion

Eine Lehrobduktion ist nur dann möglich, wenn die oder der Verstorbene zu Lebzeiten eine Körperspende an ein Institut für Anatomie einer österreichischen medizinischen Universität verfügt hat.

Sie dient der Ausbildung von Studentinnen und Studenten der Medizin, sowie der ärztlichen Weiterbildung, sowie der medizinisch-wissenschaftlichen Forschung.

Zu beachten ist, dass bei klinischen, behördlich angeordneten und gerichtlichen Obduktionen keine Zustimmung der Angehörigen notwendig ist. Aus diesem Grund können derartig angeordnete Obduktionen auch nicht durch die Angehörigen verweigert werden.

Vereinzelt kann es aber dennoch zu Ausnahmen kommen, denn im Islam und Judentum hat die Unversehrtheit des Körpers höchste Priorität und in manchen Fällen kann aus diesem Grund auf Anfrage auf eine klinische Obduktion verzichtet werden. Bei behördlichen und gerichtlichen Obduktionen gibt es diese Ausnahmen allerdings nicht.

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Was sind Gründe für eine Obduktion?

In der Regel erfolgt eine Obduktion nur, wenn die Todesursache unklar ist oder der Verdacht auf ein Verbrechen besteht. Hat die obduzierende Ärztin/der obduzierende Arzt den Verdacht, der Tod sei unnatürlicher Art, wird auf dem Totenschein der Vermerk “Todesursache unbekannt” eingetragen.

Besteht ein Verdacht, dass die bzw. der Verstorbene Opfer eines Verbrechens wurde, wird der Leichnam von der Polizei sichergestellt und das Gericht kann eine gerichtliche Untersuchung anordnen.

Obduktionen sind ebenso wichtig, um ungeklärte Erkrankungen als Todesursache festzustellen, sowie um Statistiken über berufsbedingte Erkrankungen zu erstellen. Außerdem bieten sie Erkenntnisse über die Wirksamkeit diverser medizinischer Behandlungen und sind somit ein Instrument der medizinischen Qualitätskontrolle.

Viele Obduktionen geben auch Aufschluss über vererbbare Krankheiten. So wird die Früherkennung vieler Tumorerkrankungen erleichtert und es kann bereits im Vorfeld besser darauf reagiert und vorgesorgt werden.

Wie läuft eine Obduktion ab?

Ganz gleich, ob es sich um einen Verkehrsunfall, einen Todesfall im eigenen Zuhause oder um einen Tod im Krankenhaus handelt, der Ablauf ist immer gleich, wenn eine Autopsie nötig ist: Sie besteht aus einer äußeren Untersuchung und einer inneren Leichenschau, die eine Öffnung des Leichnams und die anatomische Zerlegung, also die Entnahme von Organen, vorsieht. Der Arzt protokolliert die Befunde während der Sektion sorgfältig mit einem Diktiergerät und schreibt am Ende der Untersuchung einen detaillierten Obduktionsbericht. Die Angehörigen erhalten auf Wunsch Auskunft über die Ergebnisse.

Was passiert bei der äußeren Autopsie?

Die Obduktion beginnt mit der äußeren Begutachtung, bei der der Arzt den entkleideten Körper des Leichnams auf Merkmale untersucht. Im Vordergrund stehen Auffälligkeiten wie Verfärbungen, äußerliche Verletzungen und Ergüsse am Leichnam – bei einer rechtsmedizinischen Autopsie sind sichtbare Merkmale wie Stichverletzungen und Würgemale von besonderem Interesse.

Der Arzt macht sich ebenfalls Notizen bezüglich:

  • Narben
  • Pigmentflecken
  • Allgemeine Wunden
  • Operationswunden
  • Tätowierungen
  • Bekleidung
  • Schmuck

Ist der Leichnam noch nicht identifiziert, spielen die Zähne eine wichtige Rolle. Zusätzlich werden allgemeine Informationen wie die Körpergröße, das Gewicht und der Ernährungszustand erhoben.

So läuft die innere Obduktion ab

Beim Sezieren untersucht der bzw. die Patholog:in oder Rechtsmediziner:in die Organe auf mögliche Abweichungen von der Norm – etwa durch Krankheiten oder Fremdeinwirkungen. Die innere Autopsie meint zunächst die Kopf-, Brust- und Bauchhöhle. Um auch die Organe untersuchen zu können, führt der Leichenbeschauer in der Regel Y- oder T-förmige Schnitte durch und entfernt zuallererst das Brustbein und die Rippen. Entnommene Organe werden gereinigt, gewogen, begutachtet und im Anschluss an die Autopsie zurück in den Körper gelegt. Um die übliche Form des menschlichen Körpers zu erhalten, füllt der Pathologe oder Rechtsmediziner mögliche entstandene Hohlräume mit Zellstoff aus und vernäht offene Stellen. Anschließend wird der Leichnam gewaschen und für die Beisetzung vorbereitet.

Warum muss ein Leichnam geöffnet werden?Nicht alle Antworten sind frei sichtbar am Körper erkennbar. In manchen Fällen stellen sich Erstdiagnosen als unzutreffend heraus, sodass die eigentliche Todesursache erst im Obduktionsbericht erscheint.

Wie lange dauert eine Obduktion?Die Frage ist nicht allgemein zu beantworten, da sich die Dauer einer Obduktion nach dem Zustand des Leichnams und den Befunden richtet. Erst nach der eindeutigen Aufklärung der Todesursache kann eine Überführung des Verstorbenen durch den Bestatter erfolgen. Üblicherweise dauert eine Autopsie mehrere Stunden.

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Wer trägt die Kosten einer Autopsie?

Wenn eine Obduktion auf Anordnung des Arztes bzw. der Ärztin erfolgt, trägt das Krankenhaus die Kosten. Bei einer gerichtlich angeordneten Leichenschau in der Rechtsmedizin wird der durchführende Arzt von der öffentlichen Hand bezahlt. Die durchführenden Rechtsmediziner erhalten eine Sachverständigenvergütung.

Falls Sie selbst jedoch eine Obduktion in Auftrag geben, müssen Sie auch die Kosten dafür tragen. Dies kann zum Beispiel der Fall sein, wenn Sie sich letzte Gewissheit über die Todesursache eines Angehörigen verschaffen wollen.

Rechtliches bei einer Obduktion

Wenn die/der Verstorbene in einer Krankenanstalt verstorben ist, ist rechtlich gesehen eine Obduktion laut Definition durch §25 des Krankenanstalten-Grundsatzgesetzes erlaubt:

  • wenn die Obduktion sanitätspolizeilich oder gerichtlich angeordnet worden ist,
  • oder zu Wahrung anderer öffentlicher oder wissenschaftlicher Interessen,
  • insbesondere wegen diagnostischer Unklarheiten des Falles,
  • oder wegen eines vorgenommenen operativen Eingriffes, erforderlich ist.

Liegt keiner der erwähnten Fälle vor und hat die/der Verstorbene nicht bereits zu Lebzeiten einer Obduktion zugestimmt, darf sie nur mit Zustimmung der nächsten Angehörigen vorgenommen werden.

Eine gerichtliche Obduktion kann immer dann angeordnet werden, wenn ein Verdacht besteht auf:

  • einen nicht natürlichen Tod,
  • äußere Gewalteinwirkung,
  • Fremdverschulden,
  • Tod während der Narkose,
  • Meldepflicht bei der Gerichtsbehörde oder Polizei, sollte die/der Verstorbene beispielsweise bereits polizeilich gesucht werden.

Eine Organentnahme zu Transplantationszwecken ist immer möglich, außer die/der Verstorbene hat zu Lebzeiten eine Organspende ausdrücklich abgelehnt.

Dies basiert auf der sogenannten Widerspruchslösung, die besagt, dass Verstorbenen einzelne Organe oder Organteile entnommen werden können, wenn diese zur Lebensrettung oder Wiederherstellung der Gesundheit eines anderen Menschen dient. Vor einer allfälligen Gewebe- oder Organentnahme müssen alle Krankenanstalten laut Gesetz eine Abfrage im Widerspruchregister durchführen.

Die Erprobung neuer Operationsmethoden ist ohne Zustimmung der/des Verstorbenen zu Lebzeiten oder der Angehörigen nach dem Tod nicht gestattet. Ebenso sind alle Implantate, wie beispielsweise ein Herzschrittmacher, Eigentum der/des Verstorbenen und sind somit ebenfalls zu bestatten.

Gar keiner! Zwischen einer Obduktion und einer Autopsie gibt es keinen Unterschied. Die Begriffe werden synonym verwendet.

Dauer und Kosten der Obduktion

Eine Obduktion dauert je nach Todesart und Aufwand in der Regel zwischen zwei bis vier Stunden. Da Obduktionen meist größere chirurgische Eingriffe sind, können die Kosten ebenfalls stark variieren. Dabei gibt es keinen Unterschied zwischen gerichtlichen und sanitätsbehördlichen Obduktionen, die jeweils von der öffentlichen Hand getragen werden.

Private Obduktionen müssen von dem jeweiligen Auftraggeber erstattet werden. Die Kosten einer privaten Obduktion betragen in der Regel rund 3.000,- Euro. Diese setzen sich aus der Leichenöffnung für ca. 600,- Euro und der anschließenden chemischen Analyse von Blut, Harn oder Magensaft für 2.000,- bis 2.500,- Euro zusammen.

Quellen

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