Überblick

Körperspende

Was ist eine Körperspende?

Unter einer Körperspende versteht man, dass man nach Eintritt des Todes seinen Körper zu Lehr- und Forschungszwecken an ein anatomisches Institut „spendet“. An den anatomischen Instituten dienen die Leichname der Ausbildung zukünftiger Ärztinnen und Ärzte, der ärztlichen Weiterbildung sowie der medizinisch-wissenschaftlichen Forschung. Eine Körperspende ist an den anatomischen Instituten in WienGrazSalzburg oder Innsbruck möglich.

Fotografie einer im Labor arbeitenden Ärztin
Körperspenden sind eine wichtige Ressource für Wissenschaftler

Um seinen Körper der Wissenschaft zu spenden, muss im Vorfeld eine schriftliche Willenserklärung abgegeben werden. Die entsprechenden Anträge und Formulare können online oder postalisch bei den entsprechenden Instituten angefordert werden.

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Spenderausweis und Widerruf

Nachdem eine gültige Willenserklärung abgegeben wurde und (in Wien) der Unkostenbeitrag von 990,- Euro entrichtet wurde, erhält man einen Spenderausweis, den man nach Möglichkeit immer bei sich tragen sollte, um als Körperspenderin/Körperspender erkannt zu werden. Stirbt die Spenderin/der Spender, übernehmen die anatomischen Institute alle weiteren, erforderlichen Schritte von der Überführung bis zur Beisetzung. Ein Widerruf der Körperspende ist jederzeit – ohne Angabe von Gründen – möglich.

Übernahme der Bestattungskosten

In der Regel ist eine Körperspende immer mit einer vollständigen Kostenübernahme durch das anatomische Institut verbunden – von der Überführung des Leichnams bis hin zur Bestattung. Allerdings muss in Wien seit dem Jahr 2015 ein Unkostenbeitrag von 990,- Euro bezahlt werden, da es der Universität aufgrund der hohen anfallenden Kosten nicht mehr möglich war, sämtliche Ausgaben einer Bestattung zu decken. Des weiteren erfolgt eine Körperspende immer unentgeltlich, um Missbrauch vorzubeugen.

Hohe Anzahl an Körperspenden in Wien

Vor allem in Wien ist die Körperspende weit verbreitet. Rund 40.000 Wienerinnen und Wiener haben einen Vertrag mit der medizinischen Universität Wien zur Körperspende abgeschlossen. Das Institut erhält ca. 1.800 Leichen jährlich, was weltweit viele Ärztinnen und Ärzte dazu bewegt, eine Fortbildung in Wien zu besuchen. Dabei wird hauptsächlich das Einsetzen diverser Implantate gelehrt, neben Zahn- und Kieferimplantaten werden ebenfalls Hüft-, Knie- und Schultergelenke eingesetzt. Dieser hohe Bereitschaftsgrad, den Körper der Wissenschaft zu spenden, herrschte bereits im Josephinischen Zeitalter, wo es in der damals aufgeklärten Gesellschaft durchaus üblich war, der Forschung einen letzten Dienst zu erweisen.

Voraussetzungen für eine Körperspende

Darf jeder Mensch seinen Körper spenden?

Es gibt relativ wenige Voraussetzungen für eine Körperspende. Weder Krankheiten, noch körperliche Verletzungen verhindern in der Regel eine Körperspende. Lediglich bei seltenen Infektionskrankheiten oder einer schwerwiegenden Zerstörung des Körpers ist eine Übernahme nicht möglich.

Keine minderjährigen Spender und rechtzeitige Verfügung

Auch das Alter der Spenderin/des Spenders spielt keine große Rolle, solange keine unmündigen Personen, also Minderjährige und unter Sachwalterschaft gestellte Personen, ihren Körper spenden möchten. Außerdem ist es wichtig, dass eine Körperspende rechtzeitig verfügt wird, also eine entsprechende Willenserklärung abgegeben wird, da eine derartige Verfügung in einem Testament oftmals zu spät ist.

Denn unter Umständen wird das Testament erst geöffnet, wenn der Leichnam bereits bestattet wurde, was eine Körperspende unmöglich macht. Es ist daher wichtig, dass diese Entscheidung im Vorfeld ausführlich innerhalb der Familie besprochen wird und die Angehörigen mit der Entscheidung einverstanden sind.

Ablauf einer Körperspende

Was passiert genau bei einer Körperspende? Was ist zu beachten?

Zunächst einmal müssen die Formalitäten geklärt werden. Das bedeutet, dass Sie Kontakt mit dem entsprechenden Institut aufnehmen, die erforderlichen Formulare unterzeichnet werden und Ihre Angehörigen über Ihre Absicht unterrichtet wurden. Am anatomischen Institut in Wien muss außerdem noch der Unkostenbeitrag von 990,- Euro beglichen werden, damit der Vertrag rechtskräftig wird.

Abholung durch das anatomische Institut

Nach dem Ableben und der Freigabe durch die Totenbeschauzentrale wird das anatomische Institut umgehend verständigt und die Überführung des Leichnams in das entsprechende anatomische Institut wird durch das beauftrage Bestattungsunternehmen vorgenommen.

Die Aufbereitung des Körpers sowie die anatomischen Untersuchungen dauern normalerweise zwischen einem Monat und drei Jahren. Im Anschluss an die Untersuchungen erfolgt eine Feuerbestattung des Leichnams. Die Beisetzung findet dabei ohne die Angehörigen statt. Diese werden von der erfolgten Beisetzung in Kenntnis gesetzt, sofern Sie dies wünschen.

Fotografie der Gedenkstätte für Körperspender am Wiener Zentralfriedhof, Gruppe 26
Die Gedenkstätte für Körperspender am Wiener Zentralfriedhof, Gruppe 26

Einmal jährlich findet auch eine Gedenkfeier zu Ehren der Verstorbenen, die sich den anatomischen Instituten zur Verfügung gestellt haben, statt. Zu deren Teilnahme werden Angehörige, Studierende und Universitätslehrende eingeladen. Sollten Sie sich nachträglich gegen eine Körperspende entscheiden, ist ein Widerruf natürlich jederzeit ohne Angabe von Gründen möglich.

Vor- und Nachteile einer Körperspende

Was spricht für eine Körperspende? Was dagegen?

Die Vorteile einer Körperspende liegen klar auf der Hand:

  • Der Medizin wird ein großer Dienst erwiesen. Durch eine Körperspende hilft man einerseits bei der Ausbildung angehender Mediziner und andererseits können sich Ärztinnen und Ärzte mit Hilfe der Verstorbenen fortbilden. Auch die allgemeine medizinische Forschung wird somit vorangetrieben.
  • Viele Menschen hegen auch einfach das Bedürfnis auch über ihren Tod hinaus nützlich zu sein, was durch ein Überlassen des Körpers an die Wissenschaft gewährleistet wird.
  • Man erspart den Angehörigen ein teures Begräbnis. Da bei Körperspenden die Beisetzung und Überführung des Leichnams meistens von den anatomischen Instituten getragen wird, muss kein kostspieliges Begräbnis von den Angehörigen organisiert werden. Dies ist vor allem bei finanziellen Engpässen ein großer Vorteil. Lediglich in Wien muss ein Unkostenbeitrag geleistet werden, welcher allerdings immer noch deutlich unter den durchschnittlichen Begräbniskosten liegt.

Die Nachteile einer Körperspende sind allerdings ebenfalls nicht unerheblich:

  • Aus einem religiösen Blickwinkel betrachtet, ist eine Körperspende nicht zulässig, da die Unversehrtheit des Leibes in vielen Religionen oberste Priorität genießt.
  • Auch gibt es bei vielen Menschen Bedenken, dass mit dem Leichnam pietätlos umgegangen wird und dieser nur als ein reines Studienobjekt gesehen wird.

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Quellen:
anatomieundzellbiologie.meduniwien.ac.at (Informationen zur Körperspende)
diepresse.com (Wien – Stadt der Körperspender)
anatomie-innsbruck.at (Information zur Körperspende)
konsument.at (Körperspende – Alternative zum Begräbnis)

Siehe auch:
Bestattungsarten – Welche unterschiedlichen Bestattungsarten gibt es?
Feuerbestattung – Bei einer Körperspende wird der Leichnam anschließend in der Regel feuerbestattet
Organspende  – Wie ist die Situation in Österreich?

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