Leichenschmaus - Die Tradition des Totenmahls

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Alexander Burtscher

Verfasst von Alexander Burtscher

17. Mai 2021Lesezeit: 4 Minuten

Alexander Burtscher

Leichenschmaus - Das Wichtigste in Kürze

  • Der Leichenschmaus kann im engsten Familienkreis oder auch in einen größeren Rahmen abgehalten werden.

  • Zu einem Leichenschmaus können Sie entweder persönlich im Vorfeld, beim oder nach dem Kondolieren am Grab oder beim Versenden des Partezettels einladen.

  • Ein Leichenschmaus hat keinen fest vorgeschriebenen Ablauf. Manche Familien der/des Verstorbenen bereiten eine Rede vor, dies ist ganz individuell und wird nicht erwartet. Es ist auf jeden Fall vollkommen ausreichend, sich bei den Gästen für ihr Kommen zu bedanken.

  • Die Kosten für einen Leichenschmaus können sehr unterschiedlich sein, je nachdem ob Sie ihn zu Hause oder in einer Gaststätte abhalten. Behalten Sie dazu auch den Überblick wie viele Gäste Sie eingeladen haben, um die Kosten ungefähr abschätzen zu können.

  • Sind Sie zu einem Leichenschmaus eingeladen, versuchen Sie nach Möglichkeit daran teilzunehmen, da es den Angehörigen viel bedeuten kann. Sind Sie jedoch verhindert, geben Sie den Hinterbliebenen im Vorfeld Bescheid.

  • Falls Sie keine direkte Einladung zu einem Leichenschmaus erhalten haben, sollten Sie auch nicht daran teilnehmen.

Tradition des Leichenschmauses

Was ist der kulturelle Hintergrund des Leichenschmauses?

Das Brauchtum, im Anschluss an eine Beisetzung einen Leichenschmaus (in unterschiedlichen Regionen auch Totenmahl, Seelenmahl, Trauerbrot oder Zehrung) abzuhalten, hat in vielen Teilen Europas eine lange Tradition.

Der Sinn eines Leichenschmauses war ursprünglich, neben dem Gedenken an die/den Verstorbenen, die weit gereiste Verwandtschaft zu versorgen, die oft lange Fußmärsche auf sich genommen hatten, um an den Trauerfeierlichkeiten teilnehmen zu können.

Der Leichenschmaus wird daher in der Regel auch heute noch von der Familie der/des Verstorbenen organisiert.

Wie nennt man das Essen nach der Beerdigung noch?

Abgesehen von den eben genannten Begriffen finden sich landläufig noch Bezeichnungen wie *Kondukt-Essen, Totensemmel, Konduktsemmel, Anissemmel.

Wie ist dieser Namen entstanden? Konduktsemmeln gibt es in Oberösterreich zur Mahlzeit nach einem Begräbnis - dem Kondukt. Sie ist größer als normale Semmeln und mit Kümmel und Anis bestreut.

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Der Leichenschmaus findet aber nicht nach jeder Beisetzung statt. Zumeist wird im Vorfeld der Trauerfeier kommuniziert, ob nach der feierlichen Verabschiedung noch ein Totenmahl stattfindet oder nicht.

Ist jeder zum Leichenschmaus eingeladen?

Bei Trauerfeiern mit sehr vielen Trauergästen ist es auch durchaus üblich, dass nicht alle Trauergäste eingeladen werden.

Es trifft dann zumeist nur der engste Familien- und Freundeskreis zusammen. Bei manchen Begräbnissen werden die Trauergäste auch erst von den nächsten Angehörigen nach der Beisetzung zum Leichenschmaus eingeladen. Es obliegt ganz den Angehörigen, wie sie das handhaben wollen und ob sie überhaupt noch ein Zusammentreffen erwünschen.

Üblicherweise übernehmen die nächsten Angehörigen auch die Kosten für das Totenmahl.

Sinn des gemeinsamen Mahls ist, sich gegenseitig Halt zu geben, auszutauschen und Trost zu spenden. Die/der Verstorbene wird bei einem Leichenschmaus noch einmal gebührend gewürdigt.

Nach der Trauerfeier kann der Leichenschmaus als wichtiger Bestandteil der Trauerarbeit und des Abschiednehmens von einer geliebten Person eine wichtige Rolle spielen. Außerdem zeigt es den Hinterbliebenen, dass sie in ihrer Trauer nicht allein gelassen werden.

Was sind die Vor- und Nachteile des Totenmahls?

Nachteile des Leichenschmaus

  1. Manche Menschen sehen im Leichenschmaus eine pietätlose Angelegenheit, etwa weil man direkt nach der Trauerfeier zu einem gemeinsamen, fröhlichen Mahl zusammenkommt. Einige Hinterbliebene ziehen es daher vor, nach der Beisetzung alleine zu bleiben.

  2. Die Organisation und der Aufwand eines Leichenschmauses können für Angehörige eine zusätzliche Belastung darstellen, sowohl seelischer als auch finanzieller Art.

Vorteile des Leichenschmaus

  1. Allerdings ist das Totenmahl für viele Hinterbliebene eine unverzichtbare Sitte, da man das Erlebte gemeinsam mit den anderen Trauergästen verarbeiten kann. Außerdem möchten sich Angehörige mit einer Essenseinladung oftmals für erhaltene Hilfe und Beistand bedanken. Es ist zumeist üblich, dass beim Essen in einem Gasthaus enge Verwandte neben den nächsten Hinterbliebenen sitzen.

  2. Unterschiedliche Freundeskreise setzen sich oftmals an einem Tisch zusammen und es kann hilfreich sein, nochmal gemeinsam die ergreifenden Momente der Trauerfeier zu besprechen oder ganz einfach, wie es einem selbst nach dem Tod der/des Verstorbenen erging, was man am Tag der Todesnachricht gemacht hat oder wie man selbst damit umgehen kann, dass die/der Verstorbene nicht mehr da ist.

  3. In gemeinsamer Runde Erinnerungen aufzufrischen kann den Trauerfeierlichkeiten eine besondere Bedeutung verleihen. Auch alte Freunde zu treffen, mit Nachbarn zu sprechen oder entfernte Verwandte wiederzusehen, die man sonst selten sieht, ist Sinn eines Totenmahls.

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Wo wird was serviert?

Wo findet der Leichenschmaus statt?

Der Leichenschmaus kann entweder bei der Trauerfamilie zu Hause oder in einer Gaststätte abgehalten werden.

Aus Sicht der Familie der/des Verstorbenen spricht einiges dafür, die Gäste nach der Trauerfeier zu sich nach Hause einzuladen: Zum einen ist es eine vertraute Umgebung, die vielen Menschen in solch einer schwierigen Zeit hilfreich sein kann.

Außerdem kommt eine Bewirtung der Trauergemeinschaft in den eigenen vier Wänden bestimmt kostengünstiger als in einer Gaststätte, zumal man – je nach der Tageszeit, zu der die Beerdigung stattfindet – auch einfach zu Kaffee und Kuchen einladen kann.

Gegen eine Einladung der Trauergäste ins eigene Zuhause spricht hingegen vor allem der Aufwand – dieser ist für Sie deutlich größer als in einer Gaststätte. In einer Gaststätte müssen Sie sich nicht persönlich um das Wohl der Gäste sorgen und haben auch keinen Stress mit Vor- oder Nachbereitungen.

Dies ist in dieser belastenden und emotionalen Zeit ebenfalls ein großer Vorteil. Des weiteren können Sie schwer absehen, wie lange die Trauergäste bei Ihnen zu Hause bleiben. Wenn Ihnen das zu viel werden könnte, ist eine Einladung ins Gasthaus vorzuziehen.

Welche Gerichte werden traditionsgemäß serviert?

Die traditionellen Gerichte, die bei einem Leichenschmaus im einem Gasthaus serviert werden, sind von Bundesland zu Bundesland verschieden. Am weitesten verbreitet ist Rindfleisch oder Tafelspitz mit Semmelkren. Weiters sind nahezu alle deftigen Gerichte, die wärmen, sehr beliebt: Gulasch, Schnitzel, Backhendl, Geselchtes, Schweinsbraten... Die Möglichkeiten sind endlos.

Die sogenannte Totensemmel – eine mit Anis bestreute Semmel – ist hauptsächlich in Oberösterreich verbreitet und wird dort traditionell als Beilage gereicht. Auch Schnitzel, Schweinsbraten mit Knödel, Gulasch mit Knödel oder Kümmelbraten mit Kren werden bei einem klassischen Totenmahl gereicht.

Auf jeden Fall sollte es auch ein Angebot für Vegetarier und Veganer geben. Bei den Getränken lässt man den Gästen freie Wahl. A la carte zu bestellen ist natürlich auch eine Möglichkeit.

Eine weitere besonders nette Möglichkeit ist es, beim Leichenschmaus das Lieblingsgericht der/des Verstorbenen zu servieren, da dieses besonders schöne Erinnerungen in Ihnen und den Gästen hervorrufen kann.

Am Nachmittag ist statt dem traditionellen Totenmahl auch ein Beerdigungskaffe möglich. Hier gibt es dann Kaffee und Kuchen.

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Muss man beim Leichenschmaus eine Rede halten?

Natürlich müssen Sie bei einem Leichenschmaus keine Rede halten. Aber Sie können dies gerne machen, wenn Ihnen danach ist, und wenn es Ihnen ein Anliegen ist, die Gäste zu begrüßen, danke zu sagen für das gezeigte Mitgefühl und den Zusammenhalt, den Sie in dieser schweren Zeit gespürt haben. Sie können auch Erinnerungen an den oder die Verstorbene teilen.

Eine solche Rede ist jedoch nicht obligatorisch und niemand wird von Ihnen in dieser Situation erwarten, eine Rede zu halten.

Welche anderen Trauerrituale gibt es sonst noch?

Am Land ist es oft üblich, sich kurz nach dem Ableben im Haus des oder der Verstorbenen an drei Abenden vor dem Begräbnis zu versammeln und gemeinsam zu beten, meist den (Sterbe)Rosenkranz. Dies ist das sogenannte Totengebet. meist geht ihm ein Vaterunser und ein Ave Maria voraus. Hierbei gibt es auch oft, je nach Jahreszeit, Tee, Punsch, Kekse, Brötchen.

Ebenso bringen die Nachbarn am Land oft Essen vorbei, sobald sie von dem Todesfall erfahren haben. Dies ist eine besonders nette Geste; viele Trauernde haben in dieser Periode keine Kraft, um alltäglichen Aufgaben nachzugehen.

Ebenso geläufig ist die Hausaufbahrung der Verstorbenen am Land. Der oder die Verstorbene wird dabei, wie die Bezeichnung verrät, zuhause aufgebahrt. So kann jeder noch einmal Abschied nehmen. Mehr über christliche Rituale bei einem Todesfall erfahren Sie in diesem Artikel.

All diese Rituale geben Halt in schweren Zeiten und zwingen uns dazu, uns Zeit zu nehmen, um uns mit dem Unabänderbaren auseinander zu setzen. So sind sie ein wichtiger Teil der Trauerarbeit.

Häufige Fragen zum Thema Leichenschmaus und Totenmahl

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